BildungsZeit
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10.2.2005
Schüler als Unternhemer
Schülermesse in Saarbrücken
Von Christina Selzer

Ich bin Dominik Schuhn, ich bin der Vorstandsvorsitzende. Meine Aufgabe ist: Koordination... Mein Name ist Marcus Rommelfanger. Ich arbeite im Bereich Marketing. Mein Name ist Hassan Kefik, Ich bin in der Technischen Abteilung. Meine Hauptaufgabe ist zurzeit die Homepage unserer Firma.

Die drei Schüler der Fachoberschule im saarländischen Dillingen sind mit Begeisterung bei ihrer Firma Lumberjack Records dabei. Insgesamt sind es zwölf, die dazu gehören.

Wir haben saarländische Bands ausgesucht, produzieren Sample-CD's ... und verkaufen sie.

Erzählt der 18-jährige Dominik Schuhn, der auch die Idee für die Unternehmensgründung hatte. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde er von seinen Mitarbeitern gewählt - ganz demokratisch. Ob sie ihren Schulfreund als Chef akzeptieren? Für Hassan Kefik war das gar keine Frage. Überzeugt hat ihn dabei auch seine Sach-Kompetenz.

Er kennt sich gut aus, er spielt in einer Band, er ist der richtige Mann dafür.

Dominik, der Vorstandsvorsitzende, sieht sich ohnehin weniger als Autoritätsperson.

Ich würde das nicht führungsmäßig sehen, sondern kumpelhaft, wir kennen uns untereinander und sind gute Freunde, so kann man besonders gut arbeiten.
(...) Ich versuche die Leute zu koordinieren und einzuweisen und miteinander arbeiten zu lassen, dass die Arbeit schneller voran geht und es keine Reibereien gibt. Man muss ja wissen, was der neue Stand ist, es kann ja nicht jeder für sich arbeiten. Da würden wir im Chaos enden.


Die Ausstattung ist minimalistisch: Als Büro dient ein Klassenraum. Ein Computer, mit dem die CDs mit der Punk-Musik gebrannt werden, ist das Arbeitsinstrument. Einmal pro Woche treffen sich die Mitarbeiter zur Lagebesprechung. Und je nach Pensum nehmen sie sich auch Arbeit mit nach Hause. Die Unternehmer müssen außerdem um Dinge kümmern, von denen sie vorher noch nie gehört hatten. Zum Beispiel mussten sie sich mit der Verwertungsgesellschaft Gema auseinandersetzen - wegen der Urheber-Rechte an den Musikstücken, die sie vermarkten. All das musste geklärt werden.

Die Schüler aus dem Saarland reichten ihre Projektidee beim deutschen Institut für Wirtschaft in Köln ein. Dort möchte man jungen Leuten die Selbständigkeit schmackhaft machen und fördert Schülerfirmen - zum Beispiel mit einem Startkapital, das am Ende wieder erwirtschaftet werden muss. Über 4000 Schüler pro Jahr überzeugen die Experten mit ihren Ideen und gründen ihre Schülerfirma. Mit Rat und Tat muss dann auch eine Ansprechpartnerin in der Schule zur Verfügung stehen.
Die Lehrerin Sandra Schwalm ist so genannte Schulpatin:

Sicher wird mal mein Ratschlag eingeholt und ich helfe, so gut ich kann. Die Unternehmensführung obliegt dem Dominik, der macht das ganz souverän.

Ob sie mit ihrem Konzept Gewinne machen werden, darüber können die Lumberjack-Mitarbeiter noch keine Prognosen machen. Schließlich sind die CDs gerade erst fertig geworden, kurz vor der Messe, auf der sich Schülerfirmen aus ganz Deutschland vorstellen. Insgesamt haben sie 100 CDs produziert, die für fünf Euro das Stück verkauft werden sollen.

Wir haben 900 Euro Startkapital und damit müssen wirtschaften, und wenn wir nachher bei null stehen, dann bringt uns das nix. Wir müssen Umsatz erwirtschaften.

Schulpatin Sandra Schwalm unterrichtet das neue Fach "Management-Technik". Sie sieht in den Aktivitäten ihrer Schüler die ideale Ergänzung zur Theorie:

Da bietet sich ein Projekt blendend an, weil Schüler mit den Höhen und Tiefen konfrontiert sind. Angefangen von der Gründung, über Anteilseignersuche, Buchführung, Monatsabschluss, Abrechnungen, Marketing, man ist mit allem konfrontiert.

Zwar ist jeder für seinen Bereich verantwortlich, soll aber dennoch auch andere Abteilungen kennen lernen. Hassan Kefik zum Beispiel organisiert nicht nur den Internetauftritt der Firma, er kümmert sich auch um Kundenanfragen: Per Mail kann man eine CD bestellen. Das ganze funktioniert wie ein Online-Shop.
Ein realitätsnahes Projekt - aber doch nicht nur begrenzt.
Marketing-Mitarbeiter Marcus Rommelfänger:

Es macht viel Spaß, aber wahrscheinlich ist es nicht wie im richtigen Leben. Das geht schon eher mit Spaß zur Sache, die Leute machen das freiwillig und man wird natürlich auch nicht so bezahlt, das ist der Nachteil daran.
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