BildungsZeit
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17.2.2005
Neue Wege der Studienfinanzierung in Deutschland
Das Modell der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
Von Georg Gruber

Schnelles studieren wird immer schwieriger, wenn die Kosten immer höher werden (Bild: AP)
Schnelles studieren wird immer schwieriger, wenn die Kosten immer höher werden (Bild: AP)
Wer schneller studiert, kann, wenn er denn eine Arbeit findet, eher Geld verdienen. Eine Binsenweisheit. Schnell studieren kann in Deutschland meist nur der, der es sich leisten kann und nicht nebenher jobben muss. Und das gilt noch mehr, wenn Studiengebühren eingeführt werden, wie es manche Bundesländer nun planen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes.

Eine Möglichkeit, sein Studium zu finanzieren, sind Kredite. In Deutschland wird dieser Weg noch kaum begangen, denn vielen Banken sind günstige Kredite für Studenten zu unsicher. Mit einer Ausnahme: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW. Diese Bank plant zum Wintersemester spezielle Studienkredite einzuführen.


Die KfW ist eine staatliche Bank, zu 80 Prozent im Besitz des Bundes und zu 20 Prozent in der Hand der Länder. Im Bildungsbereich ist die KfW seit zehn Jahren aktiv. Die KfW vergibt schon heute Bildungskredite, allerdings nur an einen eingeschränkten Kreis: an Schüler und Studenten, zum Beispiel wenn das Bafög ausläuft, oder, ein anderes Beispiel, zur Meisterausbildung im Handwerk. Mehr als 300.000 Mal wurden solche Kredite schon vergeben, allein im vergangenen Jahr belief sich die Bildungsförderung insgesamt auf mehr als 800 Millionen Euro.

Die Bank unterscheidet sich von anderen Banken dadurch, dass sie nicht am Gewinn orientiert ist, sondern gesetzlich festgelegte Förderaufgaben verfolgt. Zu diesen Aufgaben gehört die Förderung des Mittelstandes, Umweltschutz, Wohnungsbau, Investitionen in Infrastruktur, Existenzgründerkredite, Entwicklungshilfe und eben die Bildungsförderung. Die Förderkredite sind in der Regel günstiger als bei normalen Banken, aber dennoch am Markt orientiert, das heißt das Risiko fließt in den Zinssatz mit ein. Erst in allerletzter Konsequenz trägt der Staat das Risiko, bisher hat die KfW allerdings seit ihrer Gründung im Jahr 1948 noch kein einziges Mal rote Zahlen geschrieben.

Ein Rückblick: Die Bank ist eng mit dem wirtschaftlichen Neubeginn in Westdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg verbunden, daran erinnert auch heute noch ihr Name: KfW, das ist die Abkürzung von "Kreditanstalt für Wiederaufbau". Gegründet wurde sie 1948 von den Alliierten zur Vergabe von Finanzhilfen aus dem Marshallplan. Über die Jahre hat sich der Aufgabenbereich der Bank aufgefächert.

Seit zwei Jahren wird in der Bank an einem neuen Modell eines Studienkredites gearbeitet. Auslöser sei nicht die Debatte um Studiengebühren, heißt es von Seiten der Kreditanstalt. Mit dem Darlehen sollen Studenten, so die ursprüngliche Idee, nicht Gebühren bezahlen, sondern ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Höhe: Bis zu 650,- Euro monatlich zu Zinsen von rund fünf Prozent.

Hintergrund: Deutschland hat deutlich weniger Studienanfänger als der OECD-Durchschnitt. Wer studiert, studiert dafür länger als in anderen Industriestaaten und kommt überwiegend, zu rund 80 Prozent aus sozial höheren Herkunftsgruppen. Für fast 90 Prozent der Studierenden sind die Eltern die wichtigste Finanzierungsquelle. Zwei Drittel jobben nebenher - und haben deshalb weniger Zeit fürs Studium, mit den bekannten Folgen. Mit allgemein zugänglichen Studienkrediten könnte sich das ändern, so die Idee: Die Eigenverantwortung der Studenten würde gestärkt, sie könnten sich auf ihr Studium konzentrieren, schneller studieren - und es wäre ein Schritt hin zu mehr Chancengleichheit.

Die Kredite der KfW sollen allen Studenten zugänglich sein. Bisher werden von anderen Banken keine vergleichbaren Bildungskredite angeboten, einige Banken sehen nun in der Initiative der KfW eine unzulässige staatliche Intervention auf dem Markt. Die KfW betont dagegen, dass auch das neue Modell der Studienkredite ohne Bundesgelder kalkuliert sei.

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