BildungsZeit
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18.2.2005
Integrationsförderung von Migratenkindern
Tagung der Körber-Stiftung in Hamburg
Von Werner Nording

Obwohl ausländische Jugendliche bildungspolitisch eine Problemgruppe bilden, kümmern sich im Moment nur wenige Experten um sie, - und die treffen sich zurzeit in Hamburg auf Einladung der Körber-Stiftung. Ziel der Tagung "Integration" ist es, konkrete Praxismodelle vorzustellen und eine Bestandsaufnahme bestehender Fördermöglichkeiten zu präsentieren.

Wie schaffen wir es, die Migrantenkinder besser als bisher in die deutsche Gesellschaft zu integrieren? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die zweitägige Fachtagung der Körberstiftung, die heute in der Hamburger Universität zu Ende geht. Allein 700.000 Schüler muslimischen Glaubens besuchen deutsche Schulen. Bildung sei die entscheidende Schlüsselqualifikation, um sich in unserer multikulturellen Gesellschaft zurechtzufinden, sagte Wolf Schmidt vom Vorstand der Körber-Stiftung.

Bildung steht an erster Stelle, zweiter Stelle, dritter Stelle, es dreht sich unglaublich viel um Bildung, man darf das nicht zu kurzschrittig betrachten, es kann auch sein, dass man etwas für Mütter tun muss, damit es den Kindern besser geht, es ist nicht nur einfach so, fang in der frühkindlichen Erziehung an und dann geht das weiter, man muss auch die Familien und das Elternhaus einbeziehen, es hängt an einer ganzen Reihe von Rahmenbedingungen.

Um diese Rahmenbedingungen zu verbessern, sind in Zeiten leerer Staatskassen immer stärker die Stiftungen gefragt. Der Europaabgeordnete der Grünen Cem Özdemir hatte eigens eine Studie vorgelegt. Die Frage der umfassenden Untersuchung lautete, was können Stiftungen in Deutschland leisten, um dem Nachwuchs von Einwanderern einen besseren Zugang in das Bildungssystem zu verschaffen.

Das ist ganz spannend, dass die Stiftungen verstärkt einsteigen... Ich denke beispielsweise an das, was die Hertie-Stiftung macht mit dem Start-Programm, also Sprachkompetenz zu fördern, ich denke aber auch an die Stipendien, die vergeben werden, von Bosch, von Hertie, von anderen für Migranten, die aus schwierigen Familienverhältnissen kommen, die begabt sind und denen man da hilft mit finanzieller Förderung mit Laptop aber auch durch Beratung, mit Austausch mit Gleichaltrigen, in der Schule Erfolg zu haben.

…sagte Özdemir. Die Jacobs-Stiftung in Bremen etwa habe im letzten Jahr 500.000 Euro für ein Sommercamp bereitgestellt. Teilnehmen konnten 150 Grundschüler aus Migrantenfamilien. Ziel des Sommercamps war es, bei Sport und Theaterspiel Sprachdefizite auszugleichen. Weil diese Kinder während der sechswöchigen Sommerferien fast ausschließlich in ihrer Muttersprache kommunizieren würden, führe das bei Schulbeginn zu Sprachschwierigkeiten, so dass oftmals der Schulerfolg darunter leide.

Unter der Überschrift "Talente im Land - Schülerstipendien für begabte Zuwanderer" hat die Robert Bosch-Stiftung in Baden-Württemberg und Bayern ein Programm aufgelegt. Ziel ist es, begabten jungen Zuwandererkindern einen qualifizierten Schul-, Fachhochschul- oder Hochschulabschluss zu ermöglichen, sagt Sükrü Uslucan, der zusammen mit Özdemir die Studie erarbeitet hat.

Und konkret ist dort die Idee ähnlich wie die Hertie-Stiftung, Zuwandererkinder der achten bis zwölften Klasse zu fördern, indem man ihnen eine Ausbildungsbeihilfe gibt mit 100 bis 200 Euro, einen PC mit Internetanschluss und vor allem ein Netzwerk schafft, wo die Leute auch eine ideelle Förderung bekommen , was wichtig ist für die Persönlichkeit der Migrantenkinder.

Häufig sind es die Lehrer, die begabte Einwandererkinder auf Fördermöglichkeiten aufmerksam machen. Allerdings sei es selbst für Fachleute schwer, sich einen umfassenden Überblick über die Stipendienprogramme zu verschaffen. Da sind sich alle Fachleute einig, betont Özdemir.

Das ist ein sehr großes Defizit, dass es sehr wenig Informationen verfügbar gibt, deshalb schlagen wir Web Portal vor, wo alles zusammengefasst wird.
Es hängt oft an engagierten Lehrern, die sagen, du Schüler x du Schülerin y bewerb dich doch mal dafür, aber was passiert an den Schulen wo es die Lehrer nicht gibt oder wo die Lehrer das nicht wissen?


Ein anderes Thema des Hamburger Integrationskongresses war die Frage, wie Schüler nichtdeutscher Herkunft mit der deutschen Geschichte umgehen. Der Historiker Bodo von Borries, der zunächst als Geschichtslehrer an Schulen gearbeitet hat und jetzt Ausbilder und Didaktiker an der Universität in Hamburg ist, ist dieser Frage nachgegangen.

Im Ganzen haben die Einwandererkinder, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund, ein schärferes Urteil über den Nationalsozialismus, neigen weniger zu Verharmlosungen, neigen stärker zu eindeutigen Urteilen dagegen, aber sie sehen es natürlich auch weniger als ihre Geschichte an, ich hab durchaus auch schon erlebt, dass in einer KZ-Gedenkstätte sich einige Schüler, in diesem Fall Schüler türkischer Herkunft, geweigert haben, da rein zu gehen und mir schlicht erklärt haben, Hitler ist eurer Problem, nicht unseres.

Der Grund für diesen geschichtslosen Umgang mancher Migrantenkinder sei darin zu sehen, dass die NS-Zeit in der Schule erst auf dem Lehrplan stehe, wenn die Jugendlichen sich zu diesem Thema längst eine Meinung gebildet hätten.
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