BildungsZeit
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25.2.2005
Lernort Labor
Schülerlabore treffen sich zum Erfahrungsaustausch
Von Werner Nording

Untersuchung im Labor (Bild: AP)
Untersuchung im Labor (Bild: AP)
Die Klasse 3 b der Hamburger Grundschule Wegenkamp besucht das Schülerlabor "Physik begreifen". Seit 1997 werden Schüler hier spielerisch an die Naturwissenschaften herangeführt. Sieben Klassen werden wöchentlich zu den Experimentiertagen eingeladen, die das Forschungsinstitut Deutsche Elektronen Synchrotron DESY in der Hansestadt betreut. 18.000 Schülerinnen und Schüler hatten in den vergangenen acht Jahren so die Chance, Laborluft zu schnuppern, sagt die Leiterin des DESY Schüler-Labors, Uta Langenbuch.

Ich kann die Erfahrung weitergeben, dass man ruhig bei den ganz Kleinen anfangen sollte, die zu fördern, da ist die Begeisterung noch da und unsere Aufgabe sollte es sein, diese Begeisterung zu halten, gerade auch über die Pubertät hinaus, denn da ist gerade die Schnittstelle, wo man sagt, ich hab doch keine Lust, wenn man eine große Begeisterung bei den Schülern erzeugt, noch bis zur 4., 5., 6., 7. Klasse, dann schafft man es auch, die Pubertät mit zu überwinden, dass die Schüler dann in der neunten und zehnten Klasse sich nachher entscheiden Physik oder andere Naturwissenschaften auch nicht abzuwählen.

200 Schülerlabore sind in den letzten zehn Jahren in Deutschland aufgebaut worden, nachdem man erkannt hatte, dass der Nachwuchs für die Naturwissenschaften wegbrach. In dem Projekt "Lernort Labor", das von der Bundesregierung unterstützt wird, werden diese außerschulischen Initiativen bundesweit betreut. Ziel der Schülerlabore ist es, über den Umweg der außerschulischen Erfahrung den naturwissenschaftlichen Unterricht zu modernisieren, sagt Manfred Euler vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel, der das Projekt "Lernort Labor" betreut.

Die Chemielabore sind die, die am frühesten anfangen, das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass in der Chemie der Problemdruck am größten war, die Biologie ist traditionell ein Fach, was bei Schülern auf Interesse stößt, da geht es eher bei den Schülerlaboren darum, ein Bewusstsein zu schaffen für naturwissenschaftliches Arbeiten oder Technologien der modernen Biologie.
In der Physik ist es so, die hat ähnlich wie die Chemie das Odium dieser harten Naturwissenschaft und da geht es darum, dass man versucht den Prozess des naturwissenschaftlichen Arbeitens in den Vordergrund zu stellen, aber auch da kommt man mittlerweile dahin, man muss immer früher anfangen eigentlich


Meistens sind die Schülerlabore in größeren Städten zu finden, wo sich auch Forschungseinrichtungen und Unternehmen angesiedelt haben, die die Schülerlabore betreuen - durchaus mit dem Hintergedanken, den eigenen Nachwuchs zu fördern.
So unterstützt nicht nur DESY in Hamburg das Labor, sondern auch das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt in Göttingen kooperiert mit einem Schülerlabor.
Das Labor "Teutolab" der Universität Bielefeld hat sich besonders auf die Jüngsten konzentriert, sagt der Gymnasiallehrer Rudolf Herbers, der an der Schule und am "Teutolab" unterrichtet.

Wir sind mit Grundschülern angefangen und gehen jetzt noch den Weg in die Vorschulerziehung rein, denn wir haben festgestellt, das Kind muss nicht schreiben können, das Kind kann Experimente auch aufmalen, aber die Experimente können wir mit Grundschulkindern genauso machen, wie mit Grundschulkindern der zweiten, dritten oder vierten Klasse.

Wenn Grundschüler oder sogar Vorschulkinder in die Labore kommen, sind häufig die Eltern dabei. Ulrike Schill, die Mutter der neunjährigen Vera aus der Klasse 3 b der Grundschule Wegenkamp, findet es wichtig, dass auch Mädchen ganz selbstverständlich an die Naturwissenschaften herangeführt werden.

Ich selber hab' das überhaupt nicht mitgekriegt, ich hab als Schülerin Handarbeitsunterricht gehabt. Ich finde das interessant, wenn auch Mädchen oder überhaupt Kinder experimentieren und spielerisch an wissenschaftliche Dinge herangeführt werden.

Noch gibt es viel zu wenig Schülerlabore. Interessierte Eltern oder Lehrer müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. So auch am Teutolab in Bielefeld, sagt Rudolf Herbers.

Im Grundschulbereich haben Sie eine Wartezeit von fast zweieinhalb bis drei Jahren, im Sekundarbereich ein halbes Jahr, in der Sek II drei bis vier Monate.

Schülerlabore sind der richtige Weg, die Jungen und Mädchen an die Naturwissenschaften heranzuführen. Wenn man Kunststoff aus Milch, Malfarbe aus Quark oder Tinte aus Tee herstellen kann, kann man damit jeden Schüler begeistern. Manfred Euler vom bundesweiten Projekt "Lernort Labor":

Wo man dran arbeiten muss, ist, diese vielen positiven Erfahrungen aus den außerschulischen Lernorten auch in den Unterricht und die Lehreraus- und -fortbildung zu integrieren.

Der Gymnasiallehrer Rudolf Herbers weiß aus der Praxis, dass es darum geht, vor allem den Lehrern in den Grundschulen die Angst vor den Naturwissenschaften zu nehmen.

/Wir haben Untersuchungen darüber, dass etwa 95 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer im Grundschulbereich mit Chemie, Biologie und Physik seit ihrer Obertstufe nichts mehr zu tun haben und auch nicht mehr zu tun haben wollten und die Angst müssen wir ihnen nehmen, dass wir ihnen zeigen, dass Chemie und Biologie oder Physik was ganz anderes sein kann, als das trockene Fach, das sie vielleicht so unterrichtet bekamen und deswegen auch so unterrichten.//
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