BildungsZeit
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3.3.2005
"didacta 2005" in Stuttgart
Messe für Erziehung und Bildung
Von Mirko Smiljanic

Keine Frage, Halle 4 der Messe Stuttgart wirkt in diesen Tagen wie ein riesiger Kindergarten: Uhu zeigt, was man mit dem Kleber alles kleben kann, Faber Castell präsentiert Bunt- und sonstige Stifte, Verlage stellen neue Spiele vor. Und dann sind da noch die Einrichter von Kindergärten, die vom Esstisch bis zum Experimentierfeld angehender Naturwissenschaftler zeigen, wie moderne Kindergärten aussehen: Weg vom Schmuddelimage der 70er und 80er Jahre hin zu konzeptionell durchdachten Anlagen - inklusive ganzer Kinderwohnungen.

Eugen Volkert: Kinder brauchen Rückzugsräume und die kann man schaffen, in dem man in einem normal großen Kindergartenraum eine zweite Spielebene einbaut, die ist so bemessen, dass die Räumlichkeiten in Kinderdimensionen sind, und da ist dann der Erwachsene der Fremdkörper, wenn er sich da rein begibt, weil er sich bücken muss, dass er sich den Kopf nicht anschlägt,...

...erläutert Eugen Volkert von der Wehrfritz GmbH im süddeutschen Bad Rodach. Tische und Schränke stehen in dem Refugium, eine kleine Küche mit Regalen und Bänken gibt es und an den Wänden hängen kindgerechte Bilder. Nichts ist dem Zufall überlassen, Architekten und Pädagogen entwickeln gemeinsam solche Anlagen. Gleiches gilt für Spielzeug. Die Kindergärtnerin Anne Simon zeigt zum Beispiel Kolleginnen, wie man mit einfachen Mitteln die Kreativität von Kindern fördern kann.

Anne Simon: Das haben wir gemacht, in dem die Kinder Knete in die Hand bekommen, aber nicht sehen, was sie machen, und bekommen eine Aufgabe gestellt, zum Beispiel ein Kamel zu formen oder eine Giraffe oder einen Elefant muss erraten, was es wird.

Beherzt greift jede in den Kasten mit den zwei Öffnungen und knetet munter drauf los - die Ergebnisse ähneln zwar häufig weder Giraffen noch Kamelen, Spaß macht es trotzdem. Genau so wie das Spielen mit einer clever veränderten Kugelbahn.

Eugen Volkert: Da sind wir darauf gekommen, Klettwände aufzubauen, diese Klettwände und Verschlüsse ermöglichen es diese Schläuche unterschiedlich zu formen und immer wieder neue diese Kugelläufe zu kreieren, die sind so weit durchsichtig, dass man den Kugellauf verfolgen kann, es macht einfach Spaß zu testen, wie hoch muss ich denn den Einstieg der Kugel wählen, damit sie eine Schleife oder einen Looping hinkriegt und unten wieder rauskommt.

Ebenfalls um Kreativität, aber mit anderen Mitteln, geht es bei Allton, einer kleinen Firma aus Bad Zwesten, die sich der Musik für Kinder verschrieben hat.

Silke Hausser: Das ist eine Klangwiege, das ist ein Instrument, an dem an der Seite Saiten sind über die ich streiche und Sie spüren dann innen die Töne im ganzen Körper...

Langsam streicht Silke Hausser über die Saiten, die Vibration pflanzt sich fort auf die Wiege, die sich mit ein paar Handgriffen auch in einen Stuhl umbauen lässt - ein himmlisches Gefühl! Neben diesem großen Instrument gibt es noch viele kleine.

Silke Hausser: Da gibt es dann Klangschalen zum Beispiel, die man in die Hand nehmen kann,... oder es gibt solche Daumenzupfklaviere, das sind also alles Musikinstrumente, mit denen jeder ohne vorher ein Musikstudium zu brauchen, wo man gemeinsam musizieren kann, Musikmachen fördert sowohl die Lernentwicklung als auch das Sozialverhalten.

Lernentwicklung und Sozialverhalten sind zwei häufig gebrauchte Begriffe auf der didacta. Der Pisaschock sitzt tief und hat endgültig die Kindergärten erreicht. Dass Lernen auch mit ganz einfachen Mitteln möglich ist, zeigt die französische Firma Kapla. Ihr Produkt ist nichts weiter als ein klaviertastengroßes Stück Zedernholz - perfekt zum Bauen. Renate Matersberger.

Renate Matersberger: Junge Kinder bauen Zäune damit für ihre Tiere, und je älter sie werden, desto mehr kommen sie in das Konstruktionsspiel rein, und es ist deshalb interessant, weil die Kinder dafür keine Vorlagen brauchen, sie bauen, sie probieren, sie entdecken, was ist möglich und das führt sie eigentlich weiter.

Meterhohe Türme und Häuser lassen sich mit den Stäben bauen, selten nur fällt etwas um, weil das Holz perfekt verarbeitet ist. Da greift mancher Erwachsene auch schon mal in die Kiste.

Renate Matersberger: Aus meiner Erfahrung heraus ist es die Einfachheit, es ist die Einfachheit, die die Kinder dazu anregt zu denken, kreativ zu werden, selbst Möglichkeiten zu suchen und meist ist auch der Weg, das Bauen eigentlich, was die Kinder dabei beschäftigt.

In den anderen Hallen der didacta geht es nicht ganz so spielerisch zu: Verlage zeigen ihre neuesten Schulbücher, der Verein "Schulen ans Netz" wirbt fürs Online-Lernen, Theatermacher präsentieren neue Produktionen, außerdem mahnen Politiker auf Foren für eine neue Bildungspolitik. Ob die kommt hängt natürlich auch vom Geld ab. Was würden Kindergärtnerinnen ändern - vorausgesetzt sie hätten genug Geld?

Monja Weiss: Mehr Personal...(lachen), mehr Personal, dass man sich einfach dem Kind länger widmen kann.
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