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9.9.2010
"Ich bin krass monogam"
Tom Tykwer: Jeder Mensch ist anfällig dafür, auch mal woanders hinzuschielen

Regisseur Tom Tykwer bei der "Berlinale" 2009. (Bild: AP)
Regisseur Tom Tykwer bei der "Berlinale" 2009. (Bild: AP)
Der neue Film "Drei" von Regisseur Tom Tykwer spielt mit der Möglichkeit, dass sich jeder Mensch auch mal zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Der Regisseur selbst findet sich aber privat wie beruflich "krass monogam" und sei vor allem durch seine Arbeit libidinös abgedeckt.

"Ich bin extrem krass monogam in jeder Hinsicht, also privat und beruflich", sagte Tom Tykwer. Allerdings führe er durch seine Arbeit ein konstantes Doppelleben. "Mein Doppelleben besteht halt darin, dass ich das Glück habe, (…) eine Arbeit zu machen, die mich auch, glaube ich, libidinös abdeckt in einem gewissen Ausmaß. Insofern erfüllt die sozusagen den Bereich des Fremdgehens - das mache ich alles mit der Arbeit."

Beim Drehen eines Films entstünden intensive Verhältnisse. "Man ist extrem verstrickt mit dieser Familie, mit der man da so älter wird." Er arbeite beispielsweise seit über 20 Jahren mit Kameramann Frank Griebe zusammen. Griebe sei für ihn wie ein Bruder und ein bisschen wie ein siamesischer Zwilling. "Aber wir sind natürlich auch ein richtig neurotisches Pärchen auf eine Weise und sagen auch immer: Naja, wenn es mit unseren Frauen nicht klappt, dann haben wir immer noch uns", scherzte Tykwer.

Sein neuer Film "Drei" jedenfalls spiele mit der Tatsache, dass sich jeder auch mal zum gleichen Geschlecht hingezogen fühle. "Auf einer Skala zwischen hetero- und homosexuell gibt es wahrscheinlich überhaupt kaum einen Menschen, den wir kennen, den man eindeutig auf die eine oder eindeutig auf die andere Seite lagern würde", sagte Tykwer: "Insofern sind wir, glaube ich, je nach Lebensphase möglicherweise mehr oder weniger anfällig, immer auch mal woanders hinzuschielen, und damit spekuliert der Film." Der Streifen hat am Freitag bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere.
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