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25.1.2005
Geschickte Kunstpropaganda
Saatchi-Gallerie zeigt "Triumph der Malerei"
Nach einem Gespräch mit Matthias Thibaut

In London auf einmal schwer angesagt: Der Künstler Jörg Immendorff, hier vor seiner Arbeit "Yellow and Brown Baby" (Bild: AP)
In London auf einmal schwer angesagt: Der Künstler Jörg Immendorff, hier vor seiner Arbeit "Yellow and Brown Baby" (Bild: AP)
Der Londoner Galerist und Kunstmäzen Charles Saatchi hat seine Liebe zur Malerei entdeckt und ruft mit einer gleichnamigen Ausstellung den "Triumph der Malerei" aus. Saatchis Gallerie am Themseufer, das ehemalige Londoner Rathaus ("County Hall"), war bislang bekannt für seine Sammlung von "Brit Art"-Künstlern wie Damian Hirst oder Tracy Enim und stand damit in starker Konkurrenz zur staatlichen Tate Gallery.

In der Ausstellung "Der Triumph der Malerei" dominieren jedoch vor allem Werke der deutschen Künstler Jörg Immendorff und Martin Kippenberger. Die Ausstellung ist Teil einer dreiteiligen Serie, die sich über die nächsten eineinhalb Jahre erstreckt. Die aktuelle Ausstellung zeigt sechs Künstler - neben den beiden Deutschen den Österreicher Hermann Nitsch, die Südafrikanerin Marlene Dumas, den Belgier Luc Tuymans und den Briten Peter Doig.

13 Maler werden in der zweiten Folge vorgestellt und im dritten Teil präsentiert Saatchi mit 37 Künstlern seine neuesten Erwerbungen.

Der Kritiker Matthias Thiebaut sagte in Fazit, der "Triumph der Malerei" zeige zwei Konzepte, die sich schwer in Beziehung zueinander setzen lassen: Mit Kippenberger und Immendorff und in gewisser Weise auch mit Nitsch wäre eine Art Konzeptmalerei mit Bezug auf die politische Realität vertreten, wohingegen Dumas und Doig sehr malerisch wirkten und z.B. über ihren Farbauftrag die Sehweisen des Betrachters zu verändern suchten. Dies sei eine eher unhistorische Malerei - von Doig werden einige Landschaftsbilder präsentiert.

Zum anderen sei das Ausstellungsgebäude - die County Hall, das ehemalige Londoner Rathaus - nicht wirklich geeignet, um die Bilder zueinander in Beziehung zu setzen. Die Räume seien sehr klein, so dass beinahe jedes Bild seinen eigenen Raum habe.

Die eigentliche Klammer der Ausstellung sei, so Thiebaut, die "Propaganda" Saatchis für die Ausstellung. Saatchi spricht davon, dass die Malerei die "relevanteste und vitalste Kommunikationsform" eines Künstlers sei. Der Londoner "Guardian" zog daraus den Schluss, die Ausstellung sei Saatchis "Rückkehr zur traditionellen Kunst". Thibaut hingegen meint, dass Saatchi nach zehn Jahren Brit Art nun endlich wieder etwas Neues machen musste, um auch wieder verkaufen zu können. Neu sei nur die Ausschließlichkeit, mit der hier nur Malerei präsentiert wird: also keine Installation, kein Video und keine Fotos.

Saatchi selbst habe die Preise für aktuelle Kunst in die Höhe getrieben. Allein für Werke von Marlene Dumas habe Saatchi die Preise verdoppelt in den letzten zwei Jahren.
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