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1.2.2005
"Fußball, Sex und Politik"
Berlinale-Programm 2005
Von Norbert Wassmund

Berlinale-Chef Dieter Kosslick bei der Vorstellung des Festivalprogramms in Berlin, 1.2.2005 (Bild: AP)
Berlinale-Chef Dieter Kosslick bei der Vorstellung des Festivalprogramms in Berlin, 1.2.2005 (Bild: AP)
Mit 16 Weltpremieren und einer breiten Themenpalette wartet in diesem Jahr die Berlinale auf. "Es geht um Fußball, Sex und Politik", sagte Festivalleiter Dieter Kosslick bei der Vorstellung des Programms in Berlin. Politischer Schwerpunkt ist Afrika. Deutschland ist mit insgesamt 67 Filmen im Rennen.

Der Wettbewerb um die goldenen und silbernen Bären ist natürlich immer das herausragende und glamouröse Ereignis der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Das Spektrum reicht von Hollywood-Produktionen bis zu diesmal drei deutschen Filmen im Wettbewerb. International renommierte Regisseure und Schauspieler sind genauso vertreten wie viel versprechende Erstlingswerke.

Besonders dem so genannten Independent-Kino widmet die bevorstehende Berlinale als Gesamtfestival ihre Aufmerksamkeit. Das heißt: auch in den anderen wichtigen Sektionen wie "Internationales Forum des Jungen Films" oder "Panorama" werden viele Werke junger und unabhängiger Filmemacher aus aller Welt zu sehen sein, und wieder mit einem Schwerpunkt, wie Festival-Direktor Kosslick erläuterte:

Wir haben einen Länderschwerpunkt dieses Jahr, das ist Afrika. Ich denke, es ist keine Neuigkeit, dass die Berlinale ein politisches Festival ist, dass wir auch dieses Jahr politische Themen haben. Zehn Jahre nach dem Genozid in Ruanda haben wir gleich zwei Filme im Wettbewerb zu diesem Thema und die Verbindung zwischen den einzelnen Themen war für uns das Wichtigste.

Filme aus deutscher Produktion sind zurzeit sehr erfolgreich. Entsprechend stark sind sie auch auf der Berlinale vertreten. Mit einem qualitativ hohen Niveau, heißt es in den Auswahlgremien. Heinz Badewitz von der Sektion German Cinema ergänzt :

Dem deutschen Film geht es so gut wie nie, vor allem das Jahr 2004 war ausgezeichnet und sehr erfolgreich. Der Marktanteil des deutschen Films wird für 2004 annähernd 23 Prozent sein. Gegenüber 2002 mit 11,9 Prozent und 2003 mit 17,5 Prozent ist es natürlich eine ganz erhebliche Steigerung. Ich denke, mit 67 deutschen Filmen insgesamt ist die Berlinale das größte Festival in der Welt, das so viele deutsche Spiel- und Dokumentarfilme zeigt.

Zwar sind die Chancen für die deutschen Streifen im Wettbewerb gering, nach dem Gewinnerfilm des letzten Jahres "Gegen die Wand" auch diesmal einen Goldenen Bären zu bekommen, dennoch dürften sie sich gut behaupten:

In "Sophie Scholl - die letzten Tage" schildert Regisseur Marc Rothemund die letzten 6 Tage im Leben der 1943 von den Nazis hingerichteten Mitbegründerin der Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

Christian Petzold erzählt in "Gespenster" das Drama eines entführten Kindes, das nie wieder auftaucht.

Und Hannes Stöhr beschreibt in der Episoden-Komödie "One day in Europe" die Emotionen von Touristen, die bestohlen werden.

Deutsche Filme auch in den anderen Sparten der Filmfestspiele:

In der Panorama-Reihe, die sich den innovativen und individuellen Autorenfilmen verschrieben hat, steht beispielsweise auf dem Programm "Horst Buchholz … Mein Papa". Christopher Buchholz portraitiert seinen verstorbenen Schauspieler-Vater.

Im Panorama, sagt dessen Leiter Wieland Speck, geht es um Geschichten, die Filmemacher der Gegenwart antreiben - und diese Geschichten schlagen sich in diesem Jahr offenbar besonders in Dokumentationen nieder:

Das Dokumentarfilmprogramm ist in der Tat groß und es war auch noch nie so übergewichtig deutsch wie dieses Jahr. Das liegt an den Themen. Offensichtlich gibt es in Deutschland das Bedürfnis, und zwar sowohl bei dem Publikum als auch bei den Filmemachern selbst, aus der Häppchenkost des Fernsehens herauszukommen und wirklich sich wieder mit den Themen dezidiert zu beschäftigen. Es sind weniger Filme, die kommentarlos nur zeigen, sondern es geht wieder sehr stark an die Inhalte, besonders im politischen Bereich.

Die Retrospektive widmet sich in diesem Jahr den Themen Filmarchitektur und Ausstattung. Gezeigt werden unter anderem Filme des Kult-Regisseurs Stanley Kubrick. Im Berlinale Talent Campus wird der Filmnachwuchs durch internationale Profis geschult, und bei den noch jüngeren hat das beliebte Kinder- und Jugendfilmfest eine feste Position.


Ein ebenso fester, wenn auch auf Eigenständigkeit bedachter Bestandteil des Festivals ist das Internationale Forum des jungen Films, das sich besonders wegen seiner experimentellen Filme beim Publikum erfreut.
Dazu Forum-Chef Christoph Terhechte :

Wir haben unser Programm doch merklich um ein Viertel verschlankt in diesem Jahr, auch weil wir für den einzelnen Film mehr tun wollen. Wir bemühen uns verstärkt darum, die Filme nicht nur einem Publikum, sondern auch dem Markt zuzuführen. Ganz deutlich zu sehen sind Crossover-Effekte zwischen den verschiedenen Kunstsparten: wir haben Filme von Musikern, von Literaten… Wir haben in diesem Jahr beschlossen, nicht mehr Nein zu sagen zu Filmen, wo wir ratlos gedacht haben: "Das ist doch eher was für eine Installation."

Besondere Ehre erfahren bei den 55. Filmfestspielen der koreanische Filmemacher Im Kwon-Taek und der spanische Schauspieler und Regisseur Fernando Fernan Gomez.

Sie bekommen für ihr Lebenswerk einen Goldenen Ehrenbären und werden dafür nach Berlin kommen - ebenso wie die Stars Glen Close, Gerard Depardieu, Keanu Reaves, Catherine Deneuve, Ridley Scott und Roland Emmerich, der in diesem Jahr der Internationalen Wettbewerbs-Jury vorsitzt, die am 20. Februar die Bären verleiht.
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