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6.2.2005
Faust im Altersheim
Faust-Oper von Charles Gounod an der Frankfurter Oper
Nach einem Bericht von Wolf-Dieter Peter

Charles Gounod, französischer Komponist (1818 - 1893) (Bild: charles-gounod.com)
Charles Gounod, französischer Komponist (1818 - 1893) (Bild: charles-gounod.com)
Faust als Insasse eines Altenpflegeheims, Gretchen als seine Pflegerin und Mephisto als der Trickser aus der Flimmerkiste: So setzte Christof Loy, Regisseur des Jahres 2004, in Frankfurt die Faust-Oper von Charles Gounod um und machte dabei einen überzeugenden Eindruck.

Als Jules Paul Barbier dem Komponisten Charles Gounod den Vorschlag zu einer Faust-Oper unterbreitete, hatte Gounod, der Goethes Faust in französischer Übersetzung 1838 kennen gelernt hatte, bereits selbst über eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Stoff nachgedacht. Im Unterschied zu anderen musikalischen Bearbeitungen des Faust-Stoffes, die entweder die Titelfigur oder den dämonischen Mephisto als zentrale Figur akzentuieren, konzentriert sich das eher lose mit Goethes Vorlage verbundene Libretto Barbiers und Carrés auf die Liebesgeschichte zwischen Marguerite und Faust.

Verwirrung stiftende makabre Späße, doppelsinnige Intrigen und ein entfesselter Theaterspuk des Méphistophélès lassen die Liebe zwischen Marguerite und Faust entstehen und schließlich ins Verderben treiben. Mit einer bewusst lyrischen Einfachheit der Musik zeichnete Gounod die Gefühlswelt der Figuren nach und verlagerte den Schwerpunkt von der Schilderung des äußeren Bühnengeschehens auf die innere Handlung.

In der Inszenierung von Christof Loy ist Faust Insasse eines Altenpflegheims, ein altes Wrack mit Tremens in beiden Händen. Als er grad den Wunsch äußert, er möge doch auch noch einmal anderes erleben, erscheint Mephisto aus dem Fernseher, zunächst im klischeehaften, beinahe klassischen Mephisto-Kostüm, das er dann abwirft und sich als junger, sportlich und trendy gedresster Farbiger präsentiert. Der gibt Faust die neuesten Designerdrogen, woraufhin dieser die Wirklichkeit verklärt wahrnimmt.

Gretchen ist hier eine junge Pflegerin in dem Heim. Faust gelingt es, sie zu bezirzen. Am Schluss wird Gretchen über den Mord an ihrem Kind wahnsinnig und landet in derselben Anstalt wie Faust. Der Drogenrausch endet mit dem Zusammenbruch Fausts.

Der Kritiker Wolf-Dieter Peter lobte in Fazit die musikalische Qualität der Aufführung und das "geschlossene Ensemble ohne Ausfälle". Auch die Choreographie Loys hob er lobend hervor und dessen Kunst, "in alten Stücken das Heutige zu finden".
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