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8.2.2005
"Pax 2005"
Augsburg gedenkt 450 Jahre Religionsfrieden
Interview mit dem künstlerischen Leiter Thomas Höft

Martin Luther (Bild: AP Archiv)
Martin Luther (Bild: AP Archiv)
Mit über 350 Veranstaltungen gedenkt die Stadt Augsburg des hier vor 450 Jahren geschlossenen Religionsfriedens. Der Tag der Vertragsunterzeichnung nach Monate langen, zähen Verhandlungen war der 25. September 1555. Der Protestantismus wurde damals erstmals als gleichwertige zweite Konfession anerkannt. Dieses war "der erste Vertrag, wo unterschiedliche Konfessionen und damit Haltungen zu Wesenfragen des Lebens, nämlich zum Glauben, gleichberechtigt nebeneinander stehen konnten", sagte Thomas Höft, künstlerischer Leiter des Veranstaltungsprogramms, in Fazit.

Dies sei ein wichtiger Moment gewesen, so Höft, denn "da gibt ein Staat das Recht auf Wahrheit auf". Höft betont, dass es aber in erster Linie ein "politischer Frieden" gewesen sei. Wirklicher Frieden zwischen den Religionen herrschte noch lange nicht, denn schließlich folgte auch noch der 30-jährige Krieg.

"Cuius regio, eius religio"

Zudem hätten sich die Protestanten nicht mit ihrer Vorstellung durchsetzen können, dass jedes Individuum entscheiden kann, welches für ihn die richtige Weltanschauung ist. Der Kompromiss war die Formel "Cuius regio, eius religio", was bedeutete, dass der Landesfürst entschied, was die richtige Religion ist. Dies wiederum hatte zahlreiche Religionskriege zur Folge.

Höft meint, der Augsburger Religionsfrieden hätte auch heute noch eine große Bedeutung, schließlich sei zu Fragen, unter welchen Bedingungen auch heute ein Frieden zwischen den Religionen möglich ist.

Dies bedeutet aber nicht, dass das Festival PAX 2005 ein "Gutmenschenprogramm" ist, meint Höft. Schließlich gehe es darum, Konfrontation auszuhalten, unterschiedliche Ansätze zuzulassen. Dies sei auch heute noch brisant und kontrovers.

An dem Programm haben zahlreiche Gruppen unterschiedlichster Konfession und Religion mitgearbeitet. Das Festival habe einen "Mitmach-Ansatz", so Höft. Highlights des Programms sind dabei ein interkulturelles und interreligiöses Theaterstück zur Vorstellung des Paradieses sowie eine Ausstellung zur Geschichte des Religionsfriedens.

Anfang und Ende des Programms sind auch den Konfessionen und dem Religionsfrieden geschuldet: es beginnt am (katholischen) Aschermittwoch und endet am (protestantischen) Reformationstag.

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