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Fazit • Kultur vom Tage
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9.2.2005
Ein Fest für die Stars
Verleihung der 40. Goldenen Kamera in Berlin
Von Gerd Brendel

Goldie Hawn, Bruce Willis und Jerry Lewis bei der Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin (Bild: AP)
Goldie Hawn, Bruce Willis und Jerry Lewis bei der Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin (Bild: AP)
Auch bei der 40. Verleihung des Medienpreises der Illustrierten "Hörzu" dominierte das Bewährte aus dem Showbiz. Nur das Jubiläum spielte in diesem Jahr eine besondere Rolle. Goldie Hawn erhielt am Mittwochabend für 40 Jahre Filmerfolg die Trophäe. Tina Turner, geehrt in der Kategorie Pop International, landete vor 40 Jahren mit "River deep Mountain High" ihren ersten Hit.

Die Goldene Kamera, ein Fest für junge Stars …

Sarah Conner: Toll diesen Preis zu bekommen …

Für alte Stars …

I love Berlin …

Und für Superstars …

No I am not a star, you make me star …

Auch wenn Letztere wie Bruce Willis ganz bescheiden daherkommen. Ihr macht uns zu dem, was wir sind, flüstert er in die Mikrofone und spricht damit den hellsichtigsten Satz des Abends, denn alle, ob Sarah Connor, Alt-Diva Joan Collins oder eben Bruce Willis verdanken ihren Status Medien wie dem Springer-Konzern, weshalb man gerne kommt jedes Jahr immer wieder zum großen Betriebsfest der Fotogesichter.

Die Preise sind da für Till Schweiger fast schon nebensächlich, Überraschungen gab es nicht wirklich.

Die Goldene Kamera für Goldie Hawn

Die Goldene Kamera für Tina Turner

Die Goldene Kamera für Hape Kerkeling

Auf die Goldene Kamera ist Verlass, auch wenn in diesem Jahr kostengünstig in der verlagseigenen Halle gefeiert wurde, statt im pompösen Schinkelbau am Gendarmenmarkt. Auf die "Goldene Kamera" ist Verlass, wobei in diesem Jahr die Auswahlkriterien um eine Art Senioritäsprinzip erweitert wurde: passend zur 40. Verleihung des Medienpreises.
Goldie Hawn ist seit 40 Jahren erfolgreich, Tina Turner landete vor 40 Jahren mit "River deep Mountain High" ihren ersten Hit und Hape Kerkeling kam vor 40 Jahren auf die Welt.

Und so ging das weiter: Goldene Kameras für Iris Berben, die Gebrüder Klitschko und Jerry Lewis. Alles bekannte Gesichter. Der Blick auf die Preisträgerliste legt den Schluss nahe: Viel Neues hat sich im deutschen Fernsehen in den letzten zwölf Monaten nicht getan.

Aber Moment mal? Gab es da nicht den ersten in Echtzeit abgedrehten Krimi im Öffentlich-Rechtlichen? Und ein ähnliches Echtzeit-Format bei den Privaten? Gab es da nicht eine der spannendsten Soap-Serien über das wechselhafte Schicksal einer Bestatterfamilie "Six Feet under" auch bei den Privaten? Gab es nicht spannende Versuche, das Format "Reality-Soap" weiterzuentwickeln? Auf Arte zum Beispiel? Schwamm drüber. Die Gäste der Goldenen-Kamera-Gala wissen es besser.

Es handelt sich immer um Wiederholungen, da fällt mir auch nichts ein, meint Maybrit Illner und Filmproduzentin Regina Ziegler fällt als aufregendstes Fernsehereignis der letzten zwölf Monate eine Eigenproduktion ein. Das passt zu einer Veranstaltung, die Fernsehlieblinge gerne als große Familie präsentiert. Die öffentliche Kritik Hape Kerkelings an Pro 7 blieb Ausnahme. Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus. Daran, dass Medienmacht hier zu Lande von der Öffentlichkeit einmal sehr kritisch wahrgenommen wurde, erinnerte Vorstandsmitglied Andreas Miele in seiner Begrüßungsrede, vor dem Beginn der Fernsehaufzeichnung:

Das letzte Mal, dass so viele Menschen vor dem Axel-Springer-Haus versammelt waren, ist lange her und hatte andere Gründe.

Aber das ist lange her. Die 68er sind lange vorbei. Den Springer-Verlag gibt es immer noch, weshalb sich alle freuen, alle danke sagen, sich auf die Wangen küssen und sich mit dem Polizeiwachtmeister, der eigentlich den roten Teppich bewachen soll, fotografieren lassen.




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