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10.2.2005
"Die beste ARCO aller Zeiten"
24. Internationale Kunstmesse in Madrid
Von Gregor Ziolkowski

Die Galerie Brandstrup aus Oslo ist mit "Dog" von Petter Hepso vertreten (Bild: GALLERI BRANDSTRUP)
Die Galerie Brandstrup aus Oslo ist mit "Dog" von Petter Hepso vertreten (Bild: GALLERI BRANDSTRUP)
Die Kunstmesse ARCO hat sich als eines der weltweit größten Ereignisse dieser Art etabliert. Neben den klassischen Schwergewichten Picasso, Dalí oder Miró wird hier auch mit junger Kunst gehandelt. Im Mittelpunkt steht diesmal das Gastland Mexiko. Es könne die beste ARCO aller Zeiten werden, meint Messedirektorin Rosina Gómez-Baeza.

Mit 290 Galerien aus 36 Ländern, die von allen Kontinenten nach Madrid gekommen sind, hat sich die Kunstmesse ARCO als eines der weltweit größten Ereignisse dieser Art inzwischen etabliert. Und trifft doch auf eine merkwürdig gespaltene Reaktion: Während die einen Kritiker noch immer einen Hauch von spanischer Provinzialität monieren, entdecken die anderen eine sehr leicht rückläufige Zahl spanischer Galerien in diesem Jahrgang und verfallen in Besorgnis darüber. Messedirektorin Rosina Gómez-Baeza legt da ein leidenschaftliches Bekenntnis ab:

Was wir wollen, ist eine internationale Messe. Und wir wollen uns an anderen internationalen Veranstaltungen messen lassen. Wir sehen unsere Rolle darin, dieses Moment der Internationalität für die hiesige Kunstszene zu verteidigen. Wir brauchen den Austausch mit anderen Ländern, mit anderen Kulturen. Und wir wollen Galerien unterstützen, die international präsent sind, die ihre Künstler entsprechend unterstützen und Programme auflegen, die von internationalem Interesse sind. Das ist unser Wunsch und unsere Absage an jeden Regionalismus.

Natürlich ist dies keine Absage an spanische Kunst. Neben den klassischen Schwergewichten Picasso, Dalí, Miró, González oder Tàpies werden hier auch jüngere und ganz junge Künstler aus Spanien gehandelt. Aber nicht wenig Wert legt man auf die Präsenz der großen internationalen Namen unter den insgesamt rund 2000 vertretenen Künstlern: von George Bracque über Yves Klein bis Richard Serra oder Joseph Beuys.

Und ins Konzept dieser Öffnung hin zur Welt schreibt sich auch alljährlich das Gastland der Messe ein. Mexiko als erstes lateinamerikanisches Gastland überhaupt hat die Einladung zu einer regelrechten Großoffensive genutzt. Mit 21 vertretenen Galerien und einem Beiprogramm, das sich über die ganze Stadt verteilt, soll hier der seit den 90er Jahren zu beobachtende Boom mexikanischer Kunst auf dem internationalen Markt weiter befestigt werden.

Mexiko - sagt Julián Zugazagoitia, der Koordinator dieses Auftritts - hat nach meinem Wissen noch nie solche Anstrengungen unternommen, um sein gesamtes kulturelles Spektrum im Ausland zu präsentieren. Was uns an dieser Möglichkeit so fasziniert hat, ist der Umstand, dass dies zwar eine der wichtigsten kommerziellen Veranstaltungen der Welt ist, dass man hier aber auch einen enormen Raum für die Kultur reserviert. Kultur und Kommerz sind hier verbunden, nicht nur durch die präsentierten Werke, sondern auch durch die internationalen Experten-Foren, die hier veranstaltet werden und die auch eine historische Annäherung an den zeitgenössischen Kontext erlauben.

Dieser Auftritt ist überaus gelungen, denn er vermeidet alle Klischees und jeden Exotismus. Wenn schon Tradition, dann wird sie ironisch zitiert wie in der Installation "Die nervöse Automaten-Band" von Ariel Guzik, die mit Trommeln, Kastagnetten und anderem traditionellen Schlagwerk, getrieben von elektrischen Impulsen, mexikanische Weisen intoniert. Zeitgenössische Kunst aus Mexiko wird hier präsentiert in der ganzen Vielfalt der Formensprachen einer heutigen, globalisierten Kunst, sie kommt als Videoinstallation ebenso daher wie als Fotomontage oder als ganz herkömmliche Skulptur. Kevin Power, Kurator einer der Begleitausstellungen:

Es ging nicht um eine Theorie oder die Illustration einer These zur aktuellen Kunst in Mexiko, aber doch darum, aufzuzeigen, wie sich Entwicklungen und Diskurse der zeitgenössischen Kunst auch in Mexiko vollzogen haben: der Diskurs über den Körper, die Debatten über Identität, die Entstehung von Mega-Cities, neue soziale Spannungen, die Poetik des Alltags oder das Recycling, das die Objekte durchleben.

Nicht um die Präsentation einer kollektiven Identität geht es da, sondern um den dissonanten Zusammenklang sehr vieler Individualitäten. Das Konzept dürfte aufgehen, denn diese geballte Ladung mexikanischer Kunst zeigt eine Vielzahl von Handschriften, die den mexikanischen Boom auf dem Kunstmarkt anhalten lassen dürfte.

Auch insgesamt scheint das Geschäftsklima nicht schlecht zu sein. Eine Zufallsbefragung unter mehreren Galeristen ergab, dass mancher schon vor der Eröffnung einen Teil seiner Ware verkaufen konnte. Und die kleine Auswahl von spanischen Museen und Stiftungen, die ihre Budgets, mit denen sie auf die Messe kommen, veröffentlicht haben, ergab immerhin die Summe von einer Million Euro.

Das hat nicht viel zu sagen, bedenkt man, dass das teuerste Objekt auf dieser Messe, ein Mobile von Alexander Calder, gute zwei Millionen Euro kostet. Am Ende dieser Messe wird man in mehr oder weniger zufriedene Galeristengesichter sehen. Für den Moment gilt der geradezu olympische Eröffnungsoptimismus der Messedirektorin Rosina Gómez-Baeza:

Die bevorstehende ARCO könnte nach meiner Einschätzung ohne weiteres die beste ARCO aller Zeiten werden.

Service:

Die Kunstmesse ARCO findet vom 10. bis 14. Februar 2005 in der spanischen Hauptstadt Madrid statt.

Link:

ARCO 2005 - Kunstmesse in Madrid
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