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Fazit • Kultur vom Tage
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12.2.2005
Goldgelbe Ströme aus Tuch im Central Park
"The Gates" von Christo und Jeanne-Claude in New York eröffnet
Nach einem Bericht von Peter Richter

Christos "The Gates, Central Park, New York City, 1979-2005"  im Central Park in New York (Bild: AP)
Christos "The Gates, Central Park, New York City, 1979-2005" im Central Park in New York (Bild: AP)
Bei strahlendem Sonnenschein ist am Samstagmorgen im New Yorker Central Park das Großkunstprojekt "The Gates" der Künstler Christo und Jeanne-Claude eröffnet worden. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg entrollte die erste von insgesamt 7.500 safrangelben Stoffbahnen, die an gleichfarbigen, fünf Meter hohen Toren befestigt sind.

Die orangefarbenen Tücher hängen in 2,13m Höhe über den Köpfen der Besucher, die auf einer Gesamtlänge von 37 Kilometern unter den Toren hindurchspazieren können. Noch am Vorabend der Eröffnung versprach der Künstler Christo, der Central Park werde von einem "leuchtenden goldenen Strom durchflossen".

Tausende Besucher erlebten dieses Netz goldener Ströme aus Tuch am Samstag. Bereits 1979 hatten Christo und Jeanne-Claude die Erlaubnis für das Projekt eingereicht, waren aber lange Zeit an der New Yorker Bürokratie gescheitert, worauf auch der Titel "The Gates, Central Park, New York City, 1979-2005" ironisch anspielt.

Der Künstler Christo, links,  in der Mitte: Jeanne-Claude und rechts: New Yorks Bürgermeister Michael R. Bloomberg (Bild: AP)
Der Künstler Christo, links, in der Mitte: Jeanne-Claude und rechts: New Yorks Bürgermeister Michael R. Bloomberg (Bild: AP)
Erst Bürgermeister Michael Bloomberg hat sich vehement für das Kunstwerk eingesetzt. Er erhofft sich Millionen von Dollar an zusätzlichen Einnahmen für die Stadt. Immerhin werden mindestens 200.000 ausländische Touristen erwartet, was noch leicht untertrieben ist. Zum Vergleich: bei dem anderen Großprojekt von Christo und Jeanne-Claude, der Verhüllung des Reichstags, kamen fünf Millionen Besucher.

Die Stadt New York kostet das Kunstwerk keinen Cent: Um künstlerisch frei zu sein, verzichteten die beiden Künstler auf staatliche Zuwendungen und Sponsorengelder. Finanziert wird das rund 20 Millionen teure Projekt durch den Verkauf von Zeichnungen und Modellen des Kunstwerks.

Nach 16 Tagen werden die Tore wieder abgebaut und komplett recycelt. Dies mache die Vergänglichkeit von Kunst eindrucksvoller, erklärten die Künstler. Im Gegensatz zum Reichstag-Projekt findet "The Gates" im Winter statt, weil dann einerseits kein Blattwerk die Sicht auf die Tore behindert, zum anderen war dies ein Zugeständnis an die Umweltschützer, die sonst die Tierwelt im größten Stadtpark Amerikas gefährdet sahen.

Bei der Eröffnung herrschte, so Peter Richter aus New York, eine "extrem entspannte Atmosphäre". Das Kunstwerk habe eine "große befriedende Wirkung".


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