Fazit
Fazit • Kultur vom Tage
Samstag bis Donnerstag • 23:05
21.2.2005
Ausgebuhte Affen
Doris Dörries Neuinszenierung von Verdis Rigoletto fällt beim Publikum durch
Nach einem Bericht von Wolf-Dieter Peter

Doris Dörrie, Film- und Opernregisseurin (Bild: AP)
Doris Dörrie, Film- und Opernregisseurin (Bild: AP)
Nach ihren Operninszenierungen in Berlin - Mozarts "Cosi fan tutte" und Puccinis "Turandot" - versuchte sich die Filmregisseurin Doris Dörrie zum dritten Mal an einer Oper. Diesmal ging es um Verdis "Rigoletto", bei der sie die Handlung auf einen fernen, von Affen bewohnten Planeten verlegt. Dort stranden die Hauptfigur Rigoletto und seine Tochter Gilda mit einem Raumschiff. Bei dieser Inszenierung standen verschiedene populäre Filme Pate: die Liste reicht von "Planet der Affen" über "2001" und "King Kong" bis hin zu "Krieg der Sterne". So tritt Rigoletto in einem weißen Raumanzug auf wie der Astronaut Bowman in Stanley Kubricks "Odyssee im Weltraum".

In Interviews bekannte die Regisseurin, diese Lösung gewählt zu haben, weil nur so die verrohte, zynische Gesellschaft, wie sie bei Verdi als intriganter Mikrokosmos am Hof des Herzogs dargestellt wird, heutzutage deutlich werden könne, in einer Gesellschaft, die angesichts von Dschungelcamps schon verroht scheint. Außerdem werde so Rigolettos Einsamkeit noch deutlicher, indem er auf einem Planeten voller fremder Wesen strandet.

Mit den Anleihen bei populären Filmen wollte Dörrie vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen und für die Oper gewinnen. Doch ihre Rechnung ist nicht aufgegangen: Das Premierenpublikum an der Münchner Staatsoper quittierte die Inszenierung mit einem Sturm von Buhrufen.

Der Kritiker Wolf-Dieter Peter sagte in Fazit, die Inszenierung habe, im Gegensatz zu Verdis Musik, "keine emotionale Tiefe" gehabt. Die Verkleidung des Chors als Affen und Rigolettos als Astronaut seien nur "vordergründige visuelle Gags", die nicht tragen.

Die Inszenierung sei "gründlich schief gegangen", so Peter. Das liege vor allem daran, dass es ein Macht- und Wertesystem geben muss, dass gekränkte Familienehre und Blutrache beinhaltet, um so die Vendetta verständlich nachvollziehbar zu machen. Bei den wilden Affen jedoch fehlt für Rigolettos Tat jedes Motiv.

Auch musikalisch sei eher Mittelmaß geboten worden. Einzig Diana Damrau als Gilda konnte begeistern. Mark Delavan als Rigoletto hingegen enttäuschte.
-> Fazit
-> weitere Beiträge
->
-> Bayerische Staatsoper München