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28.2.2005
Nofretete geht auf Reisen
Das Ägyptische Museum zieht auf die Museumsinsel in Berlin Mitte
Von Dorothea Jung

Die Büste der Nofretete stand bisher im Ägyptischen Museum in Charlottenburg (Bild: AP Archiv)
Die Büste der Nofretete stand bisher im Ägyptischen Museum in Charlottenburg (Bild: AP Archiv)
Einer der Höhepunkte im Museumsjahr der Deutschen Hauptstadt wird der Umzug des Ägyptischen Museums aus Charlottenburg auf die Museumsinsel in Berlin Mitte sein. Jetzt waren die Pharaonen, Mumien und Grabbeigaben zum letzten Mal in Charlottenburg zu sehen. Die archäologischen Schätze werden den Sommer über in Kisten und Klimakammern schlummern - und können erst wieder am 3. August bestaunt werden, wenn die Staatlichen Museen auf der Schatzinsel Preußens ihren 175. Geburtstag zelebrieren - mit der feierlichen Eröffnung der Ägyptischen Sammlung im Alten Museum. Auf den Anblick Nofretetes muss allerdings nicht so lange verzichtet werden. Das Prunkstück der Berliner Museen ist ab sofort als Mittelpunkt der Schau "Hieroglyphen um Nofretete" im Kulturforum am Potsdamer Platz zu sehen.

Ihr Nimbus strahlt leuchtender als das Gold der Pharaonen. Ihr Name spiegelt wie kein anderer die Geheimnisse einer versunkenen Welt: Nofretete. Ihr Name bedeutet: "Die Schöne ist gekommen"

Olivia Zorn: Nofretete ist eine Königin der 18. Dynastie; sie hat zwischen 1360 und 1335 vor Christus gelebt und war mit Amenophis IV., Echnaton, verheiratet.

Olivia Zorn vom ägyptischen Museum bezeichnet das Pharaonen-Paar als Religionsstifter, Reichsgründer und große Kunstförderer.

Olivia Zorn: Dieses Paar hat sowohl in kultureller, politischer als auch in religiöser Hinsicht große Erneuerungen vorgenommen; sie propagierten den Ein Gott-Glauben an den Gott Aton, und sie haben ihre Hauptstadt von Oberägypten nach Mittelägypten verlegt; dort eine völlig neue Stadt gegründet, und dort wurden auch die meisten der sehr berühmten Kunstwerke der Epoche geschaffen.

Eine Inschrift, die Echnaton zur Ehren Nofretetes auf die Säulen der neu gegründeten Stadt Achet Aton meißeln ließ, zeugt von der Zuneigung des Pharaos für seine Gemahlin.

Schön von Angesicht, Besitzerin des Glücks, ausgestattet mit der Gunst zu hören und einer Stimme, die uns erfreut. Königin der Anmut, erfüllt von Liebe, Beglückerin des Herrschers.

Dass die Schönheit Nofretetes mehr war als die Schwärmerei eines verliebten Gatten, entdeckte ein deutsch-ägyptisches Grabungsteam am 6. Dezember 1912. An diesem Tag stießen die Archäologen im heutigen Armana auf die Reste der Bildhauerwerkstatt von Achet Aton und fanden die Büste der Königin.

Olivia Zorn: Man sah bei den Ausgrabungen zunächst ihren Hals, wo ein Kragen aufgemalt ist; dann grub man ganz vorsichtig weiter, und dann kam diese Büste zum Vorschein. Ein außergewöhnliches Stück, weil das vollständig bemalt ist, in einem sehr guten Erhaltungszustand ist, und auch eine der wenigen, sehr repräsentativen Büsten der Königin in ihrem späteren Lebensalter ist.

Heute gilt als sicher, dass die Büste zwar kein Porträt der Königin ist, wohl aber Ähnlichkeiten mit der echten Nofretete aufweist. Sie trägt auf dem Kopf eine mächtige, blaue Pharaonenkrone, am Halsausschnitt die Bemalung eines prächtigen Lapislazuli-Schmucks und zeigt das Bildnis einer Frau mit ebenmäßigem Profil, elegant geschwungenem Hals, vollen Lippen und makellosen Gesichtszügen, die große Anmut ausstrahlen. Der Fund wurde den Deutschen Archäologen zugesprochen, die ihn - vermutlich aus Sorge, sie könnten ihn wieder hergeben müssen - erst 1923 der Öffentlichkeit präsentierten. Danach avancierte die Skulptur sofort zum Star der Berliner Museen. Und sie ist es bis heute.

Man weiß ja nicht, ob sie so ausgesehen hat; aber wenn es so wär, dann war sie voll schön.

Also ich find sie interessant, weil es so geometrisch alles ist und so.

Ich finde sie richtig schön; ich würd auch gern so aussehen.

Mich fasziniert sie schon von Kindesbeinen an, weil bei meiner Tante und bei meinem Onkel im Schlafzimmer so eine kleine Flachreliefbüste drin hing; und da hab ich mich schon sehr früh dafür interessiert.

Sehr geheimnisvoll!

Mich fasziniert halt, dass sie trotz des Alters von der Figur, immer noch so gut erhalten ist.

Ich meine: das ist es ja gerade. Weil sie so alt ist, deshalb kann sie einen so berühren.

Mir gefällt sie, einfach so.

Heute Abend wird die Ikone weiblicher Schönheit in weiches, säurefreies Papier gewickelt, in eine speziell für sie angefertigte doppelwandige Klimakiste gelegt und mit einem besonders stoßgesicherten Gefährt in Begleitung von Bodyguards ins Kulturforum am Potsdamer Platz gefahren, um dort eine neue Ausstellung zu zieren. Es wird nicht ihr endgültiges Zuhause sein, denn bereits im August soll Nofretete zum Magneten der ägyptischen Sammlung auf der Museumsinsel werden.

Sie kommt nicht zur Ruhe, die Schöne vom Nil. Doch jemand, der nach 3300 Jahren noch so atemberaubend aussieht, der den Untergang seines Reiches überlebte und antiken Grabräubern entging, der zwei Weltkriege überstand und die Deutsche Teilung wird kleinen regionale Umzügen innerhalb der Berliner Museumslandschaft sicher ganz gelassen entgegen sehen.
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