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3.3.2005
Deutsches Theater in Berlin wieder auf Erfolgskurs
Ein Kommentar
Von Hartmut Krug

Deutsches Theater mit dem Neonschriftzug "Verweile doch", Teil eines Zitates aus Goethes "Faust" (Bild: AP)
Deutsches Theater mit dem Neonschriftzug "Verweile doch", Teil eines Zitates aus Goethes "Faust" (Bild: AP)
Nachdem die Wellen um einen neuen Intendanten des Deutschen Theaters in Berlin mit der Diskussion um den Schriftsteller Christoph Hein für das Amt hoch geschlagen waren, hat man sich übergangsweise wieder auf den alten Intendanten Bernd Wilms geeinigt. Dieser ist mit der Verpflichtung von renommierten Regisseuren, die dem Theater eine nationale Strahlkraft geben können, auf die Siegerstraße eingebogen.

Kultursenator Thomas Flierl hat sich so sehr nach der großen Vergangenheit als Zukunft des Deutschen Theaters gesehnt, dass er die prächtige Gegenwart des Hauses gar nicht wahrnahm, als er sich ein neues Profil und einen neuen Intendanten für das von ihm als Nationaltheater erstrebte Deutsche Theater wünschte. Zwar kam der amtierende Intendant Bernd Wilms seiner Nichtverlängerung zuvor, indem er bekannt gab, diese nicht mehr anzustreben, doch gegen das Schlechtreden seines Theaters wehrte er sich mit guten Gründen.

Denn schon damals war deutlich, wie absurd das Vorgehen des Senators war. Wilms hatte sein Haus gerade künstlerisch gut positioniert: nicht mit fader Eindeutigkeit, sondern mit einer klaren Vielfalt von Stilen und Regisseuren. Und ein zahlreiches, neues und buntes Publikum aus allen Teilen und Generationen Berlins begann in sein Theater zu strömen. Dass der vom Senator ungeliebte alte nach Christoph Heins ängstlichem Rücktritt vom Antritt auch der neue Intendant wurde, wenn auch nur für eine Übergangszeit, fand zu Recht keine Ernst zu nehmenden Kritiker.

Die Angriffe und ungerechtfertigten Schmähungen des Berliner Kultursenators scheinen nicht nur das sich mehrfach kräftig zu Wort meldende Ensemble, sondern auch den Intendanten gerade zu Schwung gegeben zu haben. Bernd Wilms ist deutlich auf die Siegerstraße eingebogen mit der Verpflichtung von vier renommierten Regisseuren, die mit einer Konzentration ihrer Arbeit auf das Deutsche Theater diesem eine nationale Strahlkraft geben können.

Auch wenn man die Verpflichtung Michael Thalheimers als leitendem Regisseur sicher auch dessen Ehrgeiz zuschreiben mag, sich damit in die Startlöcher des nach 2008 auf Bernd Wilms folgenden Intendanten begeben zu wollen, - das ganze ist ein Triumph für Wilms. Er hat ganz nebenbei mit diesen Verpflichtungen einen Plan von Christoph Hein verwirklicht, an dem dieser scheiterte.

Vor allem aber: in einer Stadt, in der Publikumszahlen schon immer mehr zählten als künstlerische Ergebnisse, weshalb ein Claus Peymann wöchentliche Auslastungszahlen seines Berliner Ensembles wie Börsenkurse verkündet, schlägt der immer größere kommerzielle Erfolg des Deutschen Theaters auch die letzten Zweifler aus dem Feld. 90 Prozent Auslastung, stundenlange Wartezeiten beim Vorverkauf und fast ein halbes Dutzend Inszenierungen, die Stadtgespräch sind und teilweise Kultstatus erreicht haben. Was zählt da noch die eingekaufte MoMA-Ausstellung: das Deutsche Theater unter Bernd Wilms ist ein hausgemachtes Berliner Erfolgsmodell.
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