Politisches Feuilleton
Archiv | Politisches Feuilleton | Montag bis Samstag • 7:20
20.10.2004
Buridans Esel
Von Bernd Cailloux
Im Prinzip läuft der Vorgang stets auf die gleiche Weise ab - aus der Tiefe des Raumes kommt langsam ein kontroverses Thema hoch, die Parteien ermahnen sich gegenseitig, daraus um Gotteswillen kein Wahlkampf-Thema zu machen, und - zack - von diesem Moment an ist es ein Wahlkampf-Thema. In den vergangenen Wochen und Monaten haben zwei problematische Komplexe diesen Status erreicht, jeder kennt die entsprechenden Schlagworte: Kopfpauschale und Türkeibeitritt.
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19.10.2004
Bühne frei für Rechts?
Von Reinhard Kreissl
Manchmal mangelt es dem Souverän an Souveränität. Wenn in der Demokratie die Herrschaft vom Volke ausgehe, dann ist das Volk auch zugleich ihre größte Bedrohung, denn es kann die Demokratie abschaffen. Diese Angst treibt die interessierte Öffentlichkeit derzeit angesichts der Wahlerfolge rechtsradikaler Parteien um. Darf man, sollte man den Rechtsradikalen ein Forum geben, sie als satisfaktionsfähige Teilnehmer einbeziehen in den Diskurs der Demokraten, ihnen Tür und Talk öffnen?
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18.10.2004
Untern Orientteppich gekehrt?
Von Alexander Gauland
Es mag nicht besonders geschickt sein, die Schwierigkeiten zwischen einkommensunabhängiger Kopfpauschale und einkommensabhängiger Gesundheitsprämie mit einer Unterschriftenaktion gegen die Erweiterung der EU um die Türkei zu konterkarieren, nützlich war der Vorschlag allemal, weil die Reaktion zeigt, was auf die zukommt, die Europa dort enden lassen möchten, wo es der normale Unterricht einer Hauptschule tut - nämlich seit 1453 vor den Toren Konstantinopels.
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16.10.2004
All you can eat
Oder: Moderne Nahrungsaufnahme
Von Bernd Wagner
Wer zu einem Restaurantbesuch ins vordere Kreuzberg fährt, hat die lustvolle Qual der Wahl zwischen brasilianischen und mexikanischen, chinesischen, libanesischen und nepalesischen Lokalitäten. Hier, wo sich das multikulturelle Berlin wie in einem Schaufenster präsentiert, hat auch die entsprechende Küche ihre Hochburg, deren Beitrag zur Bereicherung unserer Sitten gar nicht hoch genug zu veranschlagen ist.
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15.10.2004
Der Bau Europas
Oder: Durchs wilde Kurdistan
Von Josef Schmid
Weite Teile unserer politischen Klasse sind nicht mit kulturphilosophischen Skrupeln behaftet. Sie sind zu einer weltpolitischen Großtat bereit, deren Motive geheim bleiben, denn eine Aufnahme der Türkei in die EU wird nicht mit schlüssigen Argumenten begründet.
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14.10.2004
Lieblingsname Mohammed
Wie sieht Europa morgen aus?
Von Safer Senocak
Eine Definition Europas als christlich-abendländische Wagenburg mag angesichts der aktuellen Verhältnisse kurzsichtig, gar töricht sein. Doch allein die Ablehnung einer solchen Definition reicht nicht aus. Ein konstruktiver Zukunftsentwurf, der unserer aktuellen Situation gerecht wird, ist heute notwendiger denn je.
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13.10.2004
Naturromantik und Artenschutz
Von Michael Miersch
"Urlaub pervers!" titelte vergangene Woche die "Bild"-Zeitung. Der Grund des Entsetzens: In Norwegen dürfen seit kurzem Jagdtouristen Seehunde schießen. Wären es keine Robben, wäre es keine Schlagzeile. In vielen Ländern können Jagdtouristen Abschusslizenzen kaufen. Zum Beispiel im deutschen Staatsforst, wo betuchte Jagdgäste die stärksten Hirsche erlegen. Gegen Geld versteht sich.
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12.10.2004
Rechtschreibreform als Gesellschaftspolitik
Von Joachim Güntner
Niemand wird heute noch beschimpft, nur weil er Fehler in der Rechtschreibung macht. In Chefetagen legt man auf sie noch einen gewissen Wert, aber es scheint, als verlöre fehlerfreies Schreiben auch in Fragen des sozialen Ansehens an Geltung. Geht es nach den Vorstellungen der Reformer, so soll die Beherrschung der Orthographie nicht einmal mehr etwas für den geistigen Rang eines Menschen besagen.
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11.10.2004
Volksabstimmung
Gefahr für die Demokratie?
Von Jacques Schuster
"Volksabstimmung" ist das Schlagwort der Stunde. Es wird als nötiger Schub für die angeblich ermattete Demokratie gepriesen. Mithilfe von Plebisziten soll der öffentlichen Meinung endlich Rechnung getragen werden, so die Hoffnung, die zurzeit vor allem Sozialdemokraten und Grüne auch aus taktischen Gründen propagieren.
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9.10.2004
Gedichte, Gedichte...
Lyrik boomt
Von Stephan Krass
Das Buch sieht aus wie ein Verbandskasten: Der weiße Einband trägt ein dickes rotes Kreuz in der Mitte und die Aufschrift verspricht "Erste Hilfe". Diese Box öffnet man nur, wenn der Ernstfall bereits eingetreten ist, wenn die Wunden brennen und sofortige Linderung vonnöten ist. Das 'worst-case'-Szenario, für das diese wundstillende Kur entwickelt wurde, ist auf dem Cover des Buches deutlich vermerkt: "Lyrik nervt" lautet der Titel und in der Unterzeile heißt es: "Erste Hilfe für gestresste Leser".
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