Politisches Feuilleton
Archiv | Politisches Feuilleton | Montag bis Samstag • 7:20
17.12.2004
Der Label-Wahn
Ein Preis der Demokratie
Von Claus Koch
Den Jungen von heute ist die Abzeichenscheu der zivilen Bürger fremd. Viele bepflastern sich über und über mit Wort- und Spruchmarken, oft ohne zu wissen, was sie bedeuten. Wenn jemand Stanford auf dem Rücken trägt, kann man sicher sein, dass er niemals dort gewesen ist, dass er nicht mal weiß, wer oder was das ist. Wer tatsächlich dort war, käme niemals auf die Idee, das auch anzuzeigen.
Der Label-Wahn   mehr


16.12.2004
Rettet uns der Patriotismus?
Eine Polemik
Von Alexander Schuller
Bis 1990 wussten wir, wer wir sind. Die Wirtschaft brummte, und im Sommer flogen wir in den Süden. Eine Außenpolitik brauchten wir nicht, und unsere Innenpolitik verteilte um. Damit ist es vorbei. Die Wirtschaft brummt nicht mehr, die D-Mark wurde von Kohl an die Franzosen verscherbelt. Das Bruttosozialprodukt zittert über der Null. Es entspricht einer gnadenlosen historischen Ironie, dass wir gerade jetzt unser Land lauthals lieben sollen. Das würde uns angeblich wieder auf die Beine helfen.
Rettet uns der Patriotismus?   mehr


15.12.2004
Die Türkei, die EU und die Machtfrage
Von Bruno Preisendörfer
Vor ein paar Wochen bin ich wieder mal auf eine Party gegangen. Nachdem das Thema Irak abgehakt war, wurde über Integration politisiert, über Kopftuchverbot und Leitkultur. Unter den Gästen war ein türkisches Paar, Ende 20 vielleicht, sehr nett, hellwach, topmodern; beide in Deutschland geboren. Ich wurde gefragt, was ich vom EU-Beitritt der Türkei halte. Die Frage brachte mich in Verlegenheit. Es kam mir irgendwie abweisend vor, dem charmanten Paar ins Gesicht zu sagen, dass ich gegen die Aufnahme der Türkei bin.
Die Türkei, die EU und die Machtfrage   mehr


14.12.2004
Gleichheit und Gerechtigkeit
Von Michael Rutschky
Merkwürdigerweise sind die Skandaleffekte, die krasse Ungleichheit auslöst, höchst unterschiedlich. Während Herr Ackermann mit seinen Einkünften sofort in die Ikonographie des Antikapitalismus einging, regt sich über Eminems horrende Tantiemen oder über Fußballer-Honorare niemand auf. Irgendwie haben sie das viele Geld "verdient". Dagegen speist sich die Empörung über die Gehälter der Manager daraus, dass sie keinen erkennbaren Leistungen entsprechen. Wir betreten das Feld der moralisch folgenreichen Gefühle, das Feld von Neid und Missgunst.
Gleichheit und Gerechtigkeit   mehr


13.12.2004
Was heißt hier eigentlich Bildung?
Eine Begriffsbestimmung
Von Jürgen Kaube
Wenn eine Bildungsministerin auftritt und erklärt, die Pisa-Studie habe nachgewiesen, dass die deutschen Schüler Bildungsrückstände hätten, und darum müsse man das Bildungssystem reformieren - dann ist eines unklar: Was heißt hier eigentlich "Bildung"?
Was heißt hier eigentlich Bildung?   mehr


11.12.2004
Wo sind wir daheim?
Von Dieter Forte
Ich weiß nicht, was Heimat ist, und ich weiß nicht, ob die, die aus Gewohnheit Heimat nennen nur verdrängen, dass auch sie keine Heimat mehr haben. In mir entwickeln sich keine heimatlichen Gefühle, wenn ich durch die Straßen des Quartiers gehe, in dem ich geboren wurde. Hier leben jetzt die als Gastarbeiter bezeichneten Menschen aus ganz Europa, aus Afrika und Asien, die wohl auch keine Heimat mehr haben.
Wo sind wir daheim?   mehr


10.12.2004
"Credo"
Religion – ein Zeichen von Stärke?
Von Florian Felix Weyh
Wer nach dem Kirchgang unbeirrt weiterglaubt, muss wirklich reinen Herzens sein, polemisiert der Schriftsteller Florian Felix Weyh. Denn dort erfährt er Prüfungen, die ihn ernsthaft erwägen lassen, ob er nicht lieber seinen Glauben zu Hause praktiziert. Das ersparte ihm auch, dem Niedergang der abendländischen Institution Kirche beizuwohnen.
"Credo"   mehr


9.12.2004
Patriotismus
Vom Auslaufmodell zum Kassenschlager?
Von Peter Merseburger
Man könnte die neue Patriotismusdebatte in Deutschland als Stammtischgerede abtun. Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn hinter ihr stecke die Frage, wie deutsch die Deutschen noch sein wollen, meint der Publizist Peter Merseburger. Viele Deutsche fühlten sich lieber als Europäer, um ihrer missratenen Geschichte zu entrinnen.
Patriotismus   mehr


8.12.2004
Erotik, Lüstlinge, Kuppler
Oper in der Ästhetik des 21. Jahrhunderts
Von Rolf Schneider
Berlins Komische Oper zeigt in ihrer Produktion von Mozarts "Entführung" den Serail als Bordell und die darin befindlichen Damen als Nutten. Publikum und Presse reagierten empört. In Salzburg war man da schon weiter. Bei der Festspiel-Inszenierung des "Rosenkavalier" spielte der dritte Akt wiederum in einem Freudenhaus. Gleichwohl: Publikum und Presse zeigten sich überwiegend freundlich. Das theatralische Gesamtkunstwerk thematisiert die fleischliche Liebe. Die öffentliche Darstellung von Erotik ist nichts anderes als eine Form der Prostitution.
Erotik, Lüstlinge, Kuppler   mehr


7.12.2004
Vom europäischen Traum zum Albtraum
Von Günter Kunert
"Der kranke Mann am Bosporus", wie man die Türkei einst nannte, scheint immer noch nicht so gesund zu sein, wie es wünschenswert wäre. Offiziell laizistisch, inoffiziell islamisch, bleibt der ferne, fremde Freund dubios. Einen solchen Mitbewohner kann sich Europa nicht leisten.
Vom europäischen Traum zum Albtraum   mehr


vorherige Seite zurück   2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12   weiter nächste Seite
Politisches Feuilleton Politisches Feuilleton