Im Gespräch
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Montag - Samstag • 9:05
16.10.2004
Im Gespräch mit dem Ernährungsökologen Dr. Karl von Koerber
Wie kann der Hunger in der Welt bekämpft werden?

Die Bilanz der UNO anlässlich des diesjährigen Welternährungstages am 16.10.2004 ist düster: Weltweit sind 842 Millionen Menschen unterernährt, davon 798 Millionen in den Entwicklungsländern. Jeden Tag sterben 25 000 Menschen an Hunger. Dabei stehen theoretisch weltweit genügend Nahrungsmittel zur Verfügung. Sie sind nur nicht gerecht verteilt.

"Im Durchschnitt ist genug da, um alle Menschen auf der Erde satt zu machen", sagt der Münchner Ernährungsökologe Dr. Karl von Koerber. "Die einzige Frage ist, was mit den produzierten Pflanzen passiert und ob sie nicht nur für Tierfutter verwendet werden. Von der Weltgetreideernte werden 38 Prozent an Tiere verfüttert. In Deutschland sind es sogar Zweidrittel. Das heißt da sind ganz große Ressourcen drin, die direkt von den Menschen verzehrt werden könnten."

Der Leiter des Beratungsbüros für Ernährungsökologie warnt davor, sich beim Kauf von Lebensmitteln hauptsächlich am Preis zu orientieren: "Die Lebensmittelpreise sind bei weitem nicht realistisch: jeden Euro, den wir an der Ladenkasse zahlen, zahlen wir als Steuerzahler drauf. Das sollten sich die Schnäppchenjäger überlegen. Die niedrigen Preise sind unehrlich. Die ganze Frage der Lebensmittelpreise muss man in Relation setzen. Es ist eine Frage der Prioritätensetzung: Was sind wir bereit zu zahlen für unsere Gesundheit, unsere Umwelt, der Fairness der Dritten Welt gegenüber und um der Gerechtigkeit der heimischen Bauern willen?"

"Wie kann der Hunger in der Welt bekämpft werden?" - darüber diskutiert Dr. Karl von Koerber gemeinsam mit Dieter Kassel am Welternährungstag von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr.

Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der kostenlosen Telefonnummer 00800 / 2254 - 2254 oder per E-Mail unter hoerensagen@dradio.de.

Buchtitel: "Vollwerternährung - Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung", Haug-Verlag. Autoren: Karl von Koerner, Thomas Männle, Claus Leitzmann.
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