Im Gespräch
Im Gespräch
Montag - Samstag • 9:05
21.10.2004
Im Gespräch mit Enja Riegel
Ehemalige Lehrerin und Schulleiterin

Schule kann gelingen - davon ist Enja Riegel überzeugt. Und hat den praktischen Beweis dafür geliefert: 19 Jahre lang war sie Direktorin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, einer Gesamt- und Reformschule, die beim PISA-Test mit Abstand die besten deutschen Resultate erzielt hat. Die Punktzahl ist höher als die der Leseweltmeister in Finnland und der Mathematikasse aus Asien.

Mit der Helene-Lange-Schule, kurz "Hela", verbindet Enja Riegel, geboren 1940, viel: Sie selbst geht als Jugendliche auf das damalige Mädchengymnasium. Danach studiert sie Germanistik und Anglistik, und beginnt anschließend das Referendariat an ihrer alten Schule. Zu dieser Zeit ticken die Uhren in "Hela", damals eine Schule für höhere Töchter, noch anders: Es gibt einen Skandal, weil die Referendarin Riegel Hosen trägt.

Nach einigen Jahren verlässt Enja Riegel die "Hela", unterrichtet zehn Jahre lang an unterschiedlichen Schulen und gründet einen antiautoritären Kinderladen. Anschließend arbeitet sie vier Jahre lang am hessischen Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung. Eines Tages liest sie im Amtsblatt, dass ein neuer Direktor für die Helene-Lange-Schule gesucht wird. Sie sieht die Chance, etwas zu verändern, bewirbt sich - und erhält die Stelle.
Schnell fängt sie an, den verstaubten Schulalltag an der Helene-Lange-Schule umzukrempeln - nicht ohne Widerstand der Kollegen: Aus dem Mädchengymnasium macht sie eine Gesamt- und Reformschule. Sie richtet Schülertreffs ein und unterteilt die "Hela" in "Schulen in der Schule" für die einzelnen Jahrgänge. Der Standartlehrplan ist ihr zu wenig, Selbstverantwortung wird von nun an groß geschrieben; das geht so weit, dass die Schüler ihre Klassenräume selbst putzen. Mit dem für die Putzkosten eingesparten Geld wird ein professioneller Theaterregisseur engagiert, der mit den Schülern Theater spielt. Warum? "Wer viel Theater spielt, wird gut in Mathematik", sagt Enja Riegel. Die PISA-Resultate der Helene-Lange-Schule scheinen das zu bestätigen. Zwar ist Enja Riegel seit Februar 2003 nach 19 Jahren als Schulleiterin pensioniert - doch zur Ruhe gesetzt hat sie sich noch lange nicht: Eins ihrer Projekte ist eine Privatschule in Wiesbaden, an der sie ihre Unterrichtsmodelle weiter ausbauen will. Ihre Ideen hat sie in diesem Jahr außerdem auch als Buch veröffentlicht. Der Titel - wen wundert's: "Schule kann gelingen". Im Gespräch mit Enja Riegel ist Dieter Kassel.

Buch: Enja Riegel: Schule kann gelingen. Wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen. S.Fischer Verlag, 2004
-> Im Gespräch
-> weitere Beiträge