Im Gespräch
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Montag - Samstag • 9:05
9.11.2004
Im Gespräch mit Kai Frobel
Leiter und Initiator des Projektes "Das Grüne Band"

Dr. Kai Frobel ist der Leiter und Initiator des Projektes "Grünes Band", das mit 1400 km Länge größtes Biotopverbundsystem Deutschlands ist. Im Grenzstreifen zwischen Ost und West konnten sich über die vielen Jahre der Teilung nahezu ungestört Vögel, Amphibien und Pflanzen entfalten, im Todesstreifen entstand ein Naturidyll.

Kai Frobel lebte als Kind nicht weit davon entfernt, im bayrischen Hassenberg an der Grenze zu Thüringen begann mit ersten Naturbeobachtungen und Streifzügen. Er engagierte sich später im Bund Naturschutz und erhielt 1977 den 1. Preis "Jugend entdeckt Natur" für seine Arbeit über die Vogelwelt im Grenzgebiet.

Kai Frobel studierte in Bayreuth Geoökologie, verlor aber Flora und Fauna im Grenzstreifen seines Heimatortes nie aus dem Blick. Inzwischen hatte die Stasi auf der anderen Seite längst seine Erkundungen registriert und dem "Vorgang" den Namen "Die Alternative" gegeben. Sie führte über seine Exkursionen genau Buch und hatte natürlich auch bemerkt, dass er Kontakt zu einem Naturfreak aus den thüringischen Sonneberg aufgenommen hatte. Durch den "kleinen Grenzverkehr" konnte Kai Frobel ab und an nach "drüben" und unternahm dann mit Günther Berwig gemeinsame Exkursionen. Das war für diesen in doppelter Hinsicht ein gewagtes Unternehmen, denn auch er stand durch sein Engagement in Naturschutzgruppen und bei Friedensdemonstrationen längst unter Beobachtung.

Im Dezember 1989 trafen sich die Naturschutzgruppen von beiden Seiten endlich ungehindert zum ersten Mal und es dauerte nicht lange und das Projekt Todesstreifen-Lebenslinie "Grünes Band" war aus der Taufe gehoben. Sie begannen sofort mit der Arbeit, um das einmalige Biotop gründlich zu erforschen und für die Ungestörtheit z.B. der zirka 130 Vogelarten, darunter 30 aus der "Roten Liste", zu sorgen.

"Das Grüne Band" ist trotzdem von Anfang an in seiner Existenz gefährdet. Alteigentümer fordern ihre Rechte ein, Land wurde an private Interessenten verkauft, Landwirte pflügten, nachdem die Minen geräumt waren, einfach das Land um. Kai Frobel kämpft als Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland weiter für den großräumigen Schutz des alten Grenzstreifens und auch Günther Berwing ist in Thüringen immer noch im Umweltschutz für das "Grüne Band" aktiv.


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