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22.11.2004
Im Gespräch mit Jacqueline van Maarsen
Freundin Anne Franks

"Jopi" - das war der Kinder-Spitzname, den ihre Freundin Anne der Niederländerin Jacqueline van Maarsen gab. Und Jopi, so heißt sie auch in Annes später berühmt gewordenen "Tagebuch der Anne Frank". Das Tagebuch, das die jungen Amsterdamer Jüdin Anne in ihrem Versteck vor den Nationalsozialisten schrieb, wurde nach Kriegsende von ihrem Vater Otto Frank veröffentlicht. "Jopi" bekam es schon vorher, doch es dauerte lange, bis "Jopi" sich überwinden konnte, es zu lesen - den Verlust der Freundin und die Kriegszeit wollte sie damals nur noch vergessen.

1941 begegnen sich Anne Frank und Jacqueline van Maarsen, geboren 1929 als Tochter eines holländischen Juden und einer französischen Katholikin, auf dem Jüdischen Lyzeum in Amsterdam. Die beiden gleichaltrigen Mädchen werden schnell Freundinnen, treffen sich häufig, machen zusammen ihre Hausaufgaben und übernachten beieinander. Bis Anne eines Tages nicht mehr da ist.

Jacqueline van Maarsen freut sich damals über das Verschwinden der Freundin, denn sie glaubt, dass der Familie Frank die Flucht in die Schweiz gelungen sei - ein Gerücht, das die Franks zum Selbstschutz verbreitet hatten, bevor sie in ihr Versteck untertauchten. Erst nach dem Krieg erfährt Jaqueline van Maarsen von Annes Vater Otto Frank das wirkliche Schicksal ihrer Freundin: Nach fast zwei Jahren in ihrem engen Versteck in einem Amsterdamer Hinterhaus wurde die Familie von Unbekannten verraten und deportiert, alle Familienmitglieder bis auf Otto Frank wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Anne Frank starb 1945, im Alter von 15 Jahren, im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihre Freundin Jacqueline entkam der drohenden Deportation. Sie arbeitet nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Sekretärin, geht 1952 für ein halbes Jahre nach England, danach kommt sie nach Amsterdam zurück und heiratet ihren Mann Ruud Sanders, den sie als Nachbarsjungen schon lange kennt. Die beiden haben drei Kinder.

In den 70er Jahren beginnt Jacqueline van Maarsen als Buchkünstlerin Buch-Einbände zu gestalten. Auch den Einband des "Tagesbuch der Anne Frank" hat sie mehrfach gestaltet. In den 80er Jahren, fast 50 Jahre nach dem Tod ihrer Freundin Anne, hat Jacqueline van Maarsen begonnen, ihre Erinnerungen an sie, an die eigene Jugend und die Kriegserlebnisse aufgeschrieben. Ihr fertiges Buch ist nun unter dem Titel "Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank" im S. Fischer-Verlag erschienen.
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