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10.12.2004
Im Gespräch mit Nadja Odeh
Autorin und Journalistin

Sie habe eine "bi-kulturelle Identität", sagt Nadja Odeh über sich selbst. Ihr Vater stammt aus Palästina, die Mutter ist Deutsche. Die Tochter, heute 39 Jahre alt, lebt in gewisser Weise zwischen den Kulturen, sie kennt beide Gesellschaften, ihre Vorzüge wie ihre Nachteile und Begrenzungen. In ihrer Kindheit hat Nadja Odeh zwei Jahre in Palästina gelebt - eine prägende Zeit, an die sie sich gerne erinnert.

Als sie neun ist, kehrt die Familie nach Deutschland zurück. Für Nadja keine leichte Zeit - die Familie ist arm, die Rückkehr auch ein sozialer Abstieg, und oft muss sich die Schülerin auf dem Pausenhof in Wuppertal Klischees und Vorurteile anhören. Nach dem Abitur studiert Odeh Islamwissenschaften, Iranistik und Slavistik - auch, wie sie sagt, "auf der Suche nach der eigenen Identität". Sie besucht auch immer wieder die vielköpfige Verwandtschaft im Westjordanland, hat bis heute viele Freunde in Palästina, aber auch in Israel. Nach dem Studienabschluss und einem Volontariat beim Hörfunksender SDR zieht Nadja Odeh 1997 für einige Zeit nach Beirut, dann nach Ramallah - "ich hatte immer den Wunsch, dorthin zurückzukehren". Im Jahr 2001, während eines Aufenthalts im Westjordanland, entsteht ihr "Palästinensisches Tagebuch", in dem sie den Alltag in den Palästinensergebieten beschreibt, wie sie ihn erlebt hat: das Leben von Menschen, die unter der israelischen Besatzung versuchen, ihr Leben zu führen. Das Buch erschien im Jahr 2002 im Herder-Verlag. Nadja Odeh selbst lebt sie wieder in Deutschland, sie lebt mit ihrem Sohn in Baden-Baden. Über ihr Leben zwischen den Kulturen, ihre Familie in der Westbank und ihre Meinung zur aktuellen Entwicklung in Nahost erzählt Nadja Odeh "Im Gespräch" mit Holger Hettinger.

Buch: Nadja Odeh: Palästinensisches Tagebuch, Herder 2002

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