Im Gespräch
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Montag - Samstag • 9:05
30.12.2004
Im Gespräch mit Ursula Böttcher
Eisbär-Dompteurin
Moderation: Katrin Heise

Sogar auf einer DDR-Briefmarke wurde ihr legendärer "Todeskuss" mit einem der mehr als drei Meter großen Eisbären verewigt. 47 Jahre verbrachte Ursula Böttcher beim Zirkus, fast 45 davon als Dompteurin, sie war die erste Frau überhaupt, der es gelungen war, eine Eisbärennummer in die Manege zu bringen.

Überall in der Welt war die 1,58 Meter kleine Dompteurin mit den 10 Eisbären die Zugnummer der Zirkusprogramme. Allein sechs Jahre gastierte sie in den USA, feierte Erfolge u.a. in Japan, Frankreich, Spanien und Griechenland, - aber immer als Angestellte des VEB Staatszirkus der DDR.

Die Dresdnerin stammt ursprünglich nicht aus einer Zirkusfamilie. Die Tierliebe und die Reisesehnsucht brachten sie zum "fahrenden Volk". Zunächst allerdings als Putzfrau. Ursula Böttchers erster Auftritt in der Manege war der auf einem störrischen Esel. Sie wurde für eine Löwen-Nummer entdeckt, die sich keine der anderen Bewerberinnen zutraute, als es ernst wurde. Sie ging nach nur drei Monaten mit ihrer ersten Raubtiernummer ins Programm des Zirkus Barlay. Die einzigen Tiere, vor denen sie wirklich Angst hat, sind Spinnen.

Ursula Böttcher brachte für die DDR Spitzengagen nach Hause. Sie erhielt 1974 als erste Dompteurin den Zirkus-Oskar, wurde auf ihren USA-Tourneen als "Brilliant Baroness of the bears" von mehr als 50.000 Zuschauern gefeiert.

Nach der Wende wurde der ehemalige VEB Staatszirkus der Treuhand zugeordnet, Privatisierungsbemühungen scheiterten, aber Ursula Böttcher hatte Angebote aus verschiedenen Ländern für die nächsten fünf Jahre. Trotzdem wurde ihr gekündigt, die Eisbärengruppe getrennt und an verschiedene Tierparks verkauft. Bis dahin hatte sie 50.000 Vorstellungen gegeben. Sie wohnt heute wieder in ihrer Heimatstadt Dresden.
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