Im Gespräch
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Montag - Samstag • 9:05
20.12.2004
Im Gespräch mit Evelyn Huber
Jazz-Harfenistin

Harfe spielen zu können, kann aus vielen Gründen nützlich sein. Zum Beispiel beim Melken. Ein einziges Mal in ihrem Leben hat Evelyn Huber an einem Melkwettbewerb teilgenommen - und prompt gewann sie ihn. Eine Harfenistin hat eben geübte Finger. Seit ihrem neunten Lebensjahr spielt Evelyn Huber die Harfe, auf Anregung einer ihrer beiden Schwestern. Doch auch das Melken kam nicht ganz von ungefähr: Denn eigentlich sollte die heutige Berufsmusikerin mal den Bauernhof ihrer Eltern übernehmen. Kühe gibt es dort zwar nicht, doch sie lernt Traktorfahren, Fruchtfolgen, macht eine Lehre in "ländlicher Hauswirtschaft". Mit 14 Jahren hört sie sogar für ein Jahr auf, Harfe zu spielen, das Interesse hat nachgelassen.

Doch dann hat sie ein Schlüsselerlebnis: Sie hört eine Künstlerin Harfe spielen wie nie zuvor: Jazzharfe. Da war ihr klar: "Das will ich auch." Sie entscheidet sich gegen den Hof, zur Enttäuschung der Eltern. Geht ans Konservatorium, dann an die Musikhochschule in München. Sie überträgt Stücke aus anderen Genres auf die Harfe, spielt Jazz, Samba, Latin, Mitte der 90er Jahre geht sie für ein halbes Jahr in die USA, belegt dort den dritten Platz bei einem Jazz-Harfen-Festival. Sie übt, improvisiert und spielt mit anderen Musikern in ungewöhnlichen Konstellationen.

Heute tritt sie zum Beispiel oft im Duo mit einem Jazz-Saxofonisten auf. Etwa 100 Konzerte spielt Evelyn Huber mittlerweile im Jahr. Doch auch wenn die 34-jährige dem Leben einer Landwirtin den Rücken gekehrt hat - zu ihren Wurzeln ist sie dennoch zurückgekommen. Seit der Geburt ihres Sohnes vor drei Jahren lebt sie wieder auf dem Hof ihrer Eltern. Und genießt die Ruhe, das Landleben und die Nähe ihrer Familie.
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