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Montag - Samstag • 9:05
20.1.2005
Im Gespräch mit Senait Mehari
Sängerin aus Eritrea
Moderation: Holger Hettinger

Die Popsängerin Senait Mehari bei der Vorentscheidung für den Grand Prix 2003 (Bild: AP-Archiv)
Die Popsängerin Senait Mehari bei der Vorentscheidung für den Grand Prix 2003 (Bild: AP-Archiv)
Als Popsängerin in Deutschland bekannt wurde Senait Mehari, geboren 1974 in Eritrea, spätestens im Jahr 2003, als sie am deutschen Vorentscheid für den Grand Prix d'Eurovision teilnahm, und den dritten Platz belegte. Musik, Songs schreiben und Singen machen sie glücklich, sagt sie heute. Sie sind für die Sängerin aber auch eine Form, ihr Leben zu erzählen und es so Stück für Stück zu verarbeiten, was sie in ihrer Kindheit und Jugend durchlebte.

Als die Sängerin 1974 geboren wurde, herrschte in Eritrea Bürgerkrieg um die Unabhängigkeit des Landes, damals noch eine Provinz von Äthiopien. Auf der Flucht vor der äthiopischen Armee ließ ihr Vater seine Geliebte und das Neugeborene im Stich, die Mutter, allein zurückgelassen, setzte das wenige Wochen alte Kind in einem Koffer aus. Doch eine Nachbarin entdeckte das Baby und rettete es vor dem Erstickungstod. Die Mutter wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, Senait Mehari wuchs im Waisenhaus und bei den Großeltern heran, später nahm sie der Vater zu sich, jedoch nur für kurze Zeit.

Im Alter von sechs Jahren gab er seine Tochter Senait und zwei ihrer Geschwister in das Lager einer eritreischen Guerillaorganisation, wo sie und andere Kinder als Soldaten ausgebildet und zum Töten gedrillt werden sollten. "Ihr seid das Eigentum Eritreas", sagte er damals zu den Kindern. Drei Jahre verbracht Senait Mehari im Lager der Kinderarmee, bevor ein Onkel der damals Neunjährigen und ihren Geschwistern zur Flucht in den Sudan verhalf. Bei ihm lebte sie, bis der Vater, der inzwischen aus Eritrea emigriert war, sie als Zwölfjährige nach Hamburg nachholte. Doch auch hier hörten seine Schläge, Gewalt und Drohungen nicht auf.

Senait Mehari flieht schließlich vor ihrem Vater - erst auf die Straße, dann in ein Jugendwohnheim. Die außergewöhnliche Stimme der jungen Frau fällt zuerst bei einer Karaokeshow auf. Das erste Geld verdient Mehari schon als Jugendliche als Backgroundsängerin in Musikstudios. 1999 schließlich bekommt sie ihren ersten Künstlervertrag, bald darauf folgt die erste Solosingle "Aura". Heute lebt Senait Mehari als Sängerin und Songwriterin in Berlin, wo sie gerade an ihrem Album arbeitet, das im Winter erscheinen soll. Über ihre Biografie hat sie gemeinsam mit dem Journalisten ein Buch geschrieben, das im Dromer-Verlag erschienen ist. Der Titel: "Feuerherz".
Das Gespräch mit Senait Mehari führt Holger Hettinger.

Buch: Feuerherz, Droemer Verlag, München, erschienen am 22.9.2004, 320 Seiten, 16,90 Euro

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