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27.1.2005
Im Gespräch mit Artur Brzozowski
Student aus Oswiecim

Artur Brzozowski, 21 Jahre alt, wurde im polnischen Oswiecim geboren - dem Ort in Ostoberschlesien, der früher Auschwitz hieß und bei dem das Konzentrationslager Auschwitz lag, das genau heute vor 60 Jahren von der Roten Armee befreit wurde. Für Artur Brzozowski gehörte die traurige Vergangenheit seiner Heimatstadt und der Schrecken, den der alte Name seines Geburtsortes auslöst, früh zum Leben. Sie war ein schreckliches Kapitel der Familiengeschichte: Sein Großvater hat die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald als Häftling überlebt, seine Großmutter hat das Kriegsende und die Befreiung des Lagers als Kind in Auschwitz miterlebt.

Schon als Grundschulkind besucht Artur Brzozowski zum ersten Mal die Internationale Begegnungsstätte, die sich in Oswiecim der Aufarbeitung der Vergangenheit widmet und in der vor allem junge Deutsche und Polen zusammenkommen, um gemeinsam über die Geschichte zu lernen. Als 15-Jähriger fängt er an, selbst für das Zentrum zu arbeiten, gibt mit Schulkameraden eine Zeitung heraus, interviewt Zeitzeugen über ihre Erinnerungen an den Krieg und führt als Stadtführer Besucher durch Oswiecim.

In der Schule lernt er Deutsch, nach dem Abitur bewirbt er sich so bei der "Aktion Sühnezeichen", die Freiwillige in soziale und politische Projekte, nach Deutschland. Ziel dieser Friedensdienste ist immer, das Bewusstsein für noch immer spürbare Folgen des Nationalsozialismus zu schärfen und zu vermitteln. Ab September 2002 arbeitet Artur Brzozowski so für die Aktion in der Gedenkstätte Sachsenhausen, lernt und forscht in den Archiven dort und macht Führungen mit Kindern und Jugendlichen durch das ehemalige Konzentrationslager.

Nach dem Ende seiner Freiwilligenzeit dort im vergangenen Sommer hat er sich entschlossen, in Deutschland zu bleiben - seit einem Semester studiert er nun in Berlin Theaterwissenschaften.

Im Gespräch mit Holger Hettinger erzählt der 21-Jährige von seinem Engagement für die Aufarbeitung der NS-Geschichte, von der Rede, die er vor zwei Tagen bei einer Gedenkveranstaltung mit dem Bundeskanzler in Berlin gehalten hat, und von den Reaktionen, die es auslöst, wenn er hier den Namen seiner Heimatstadt nennt.
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