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3.2.2005
Im Gespräch mit Michaele Schreyer
Wirtschaftswissenschaftlerin, ehemalige EU-Kommissarin für den Haushalt

Michaele Schreyer (Bild: AP)
Michaele Schreyer (Bild: AP)
Die Grünen-Politikerin Michaele Schreyer, geboren am 9. August 1951, war bis vor wenigen Monaten die für den Haushalt zuständige EU-Kommissarin - der Höhepunkt ihrer Ende der 80er Jahre begonnen Karriere als Politikerin der Grünen. Und nicht erst in Brüssel hat sie sich den Ruf erworben, der ihr lang vorauseilte: eine zu sein, die sich knallhart an Fakten und Zahlen zu orientieren weiß und so einen schonungslosen Blick auf die Realitäten wirft.

Das Interesse für Wirtschaft und Finanzen liegt in der Familie: Michaele Schreyers Mutter war gelernte Bankkauffrau, bevor sie die Arbeit für die drei Töchter aufgab. Und ihrem Vater, einem Lokführer, war die Bildung der Kinder sehr wichtig. Dass auch Michaele an die Uni gehen dürfen sollte, war immer klar. Nach der Schule entscheidet sich die Kölnerin so für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie in ihrer Geburtsstadt. Nach dem Abschluss geht sie 1976 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Freie Universität in Westberlin, promoviert dort, und wird dann, als die Grünen 1983 erstmals den Sprung in den Bundestag schaffen, Referentin der Partei für finanz- und haushaltpolitische Fragen in Bonn - auch wenn Schreyer damals noch parteilos ist und sich erst 1986 ihr Parteibuch holt. In den 80er Jahren prägt sie erste Konzepte für Ökosteuer und soziale Grundsicherung mit. Nach einer Zwischenstation als Referentin im Münchener Ifo-Institut, beginnt sie ihre politische Laufbahn: Walter Momper holt sie 1989 als Senatorin für Stadtentwicklung und Umweltschutz in den Senat des Landes Berlin. Von 1991 bis 1999 war sie Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, parallel bis 1995 Mitglied des Präsidiums und von 1998 bis 1999 Fraktionsvorsitzende der Fraktion der Grünen im Abgeordnetenhaus. Im September 1999 wechselte sie dann nach Brüssel. Da Deutschland seit der Neubesetzung der EU-Kommission im Herbst letzten Jahres nun wie alle EU-Staaten nur noch einen Kommissar stellt, schied Michaele Schreyer bei der Neubesetzung aus der EU-Kommission aus und kehrte nach Berlin zurück - und damit nicht nur an einen ihrer alten Wohn-, sondern auch an einen alten Wirkungsort: Seit kurzem lehrt die Volkswirtin wieder an der FU Berlin, der Universität, die ihr vor fast 30 Jahren schon mal Arbeitsstelle war.

Das Gespräch mit Michaele Schreyer moderiert Katrin Heise.
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