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4.2.2005
Im Gespräch mit Eric T. Hansen
Mittelalterforscher aus Hawaii

Wenn man ihm so zuhört, wirkt Eric T. Hansen ein wenig verrückt. Kommt aus Amerika, lebt 20 Jahre lang in Deutschland - und als er ein wirklich gutes Angebot für seinen Traumjob in Amerika bekommt, der Heimat, in die er schon lange zurückwollte, schlägt er es aus. Stattdessen macht er lieber einen Kindheitstraum wahr: Er setzt sich ein Jahr lang an das Steuer eines VW-Busses, um auf den Spuren des Mittelalters quer durch Europa zu fahren.

Schon als Junge - aufgewachsen in Hawaii - erntete Hansen Unverständnis für seine Begeisterung für das europäische Mittelalter. Wo seine Altersgenossen surften und den Mädchen am Strand hinterherpfiffen, las Hansen lieber in alte Rittergeschichten und Comics über Helden und Drachen. Um ihnen in Europa auf den Grund zu gehen, ließ Hansen, der aus einer Mormonenfamilie stammt, sich von seiner Glaubensgemeinschaft 1981 nach Deutschland schicken. Fast zwei Jahre lang putzte er Klinken und versuchte, die Deutschen von den Vorzügen seiner Religion zu überzeugen. Ergebnis war eine Menge zugeschlagener Türen und, trotzdem, eine tief sitzende Liebe zu Deutschland.

So studiert Hansen nach der Missionszeit Mediävistik in München. Nur um festzustellen: "Zum Wissenschaftler bin ich nicht gemacht." Trockene Vorlesungen und Quellenstudium in der Bibliothek liegen ihm nicht. Hansen wird Journalist. Von Berlin aus schreibt er für amerikanische Magazine, gibt Sprachunterricht, übersetzt technische Texte und arbeitet sich schließlich hoch bis zum Deutschland-Chef des Fachblattes "The Hollywood Reporter". Dann will das Magazin ihn nach Los Angeles zurückholen, auf verantwortlichen Posten. Und Hansen packt plötzlich die Angst zurückzugehen "und die ganze Erfahrung in Deutschland ist nur so eine Phase, für die sich in Amerika keiner interessiert. Zwanzig Jahre würden einfach verblassen."

Da besorgt er sich den VW-Bus. Und beginnt, sein erstes Buch zu schreiben. Über seine mittelalterliche Reise, von Hamburg bis Esztergom in Ungarn und vom Nibelungenlied bis zu Klaus Störtebeker. Über Großstädte, verschlafene Dörfer und alte Burgen. Über die Geschichte, die dort stattgefunden hat. Und über die Deutschen, die er heute an den historischen Plätzen traf, an denen er auf seiner Reise nach den Spuren seines geliebten Mittelalters suchte. Erschienen sind Eric T. Hansens Erlebnisse als Mischung aus Reisebericht, Roman und Beobachtungsbuch, unter dem Titel "Die Nibelungenreise".

Im Gespräch mit Matthias Hanselmann erzählt er von den modernen Schlachten, den sagenhaften Gelagen und den Kämpfen mit dem schnöden Geldmangel, die man als Amerikaner auf seiner Traumreise durchs mittelalterliche Deutschland so erlebt.

www.nibelungenreise.de
Buch: Eric T. Hansen: Die Nibelungenreise - Mit dem VW-Bus durchs Mittelalter, Piper/Malik Verlag 2004, 364 Seiten, 22,90 Euro, ISBN 3-89029-278-X
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