Im Gespräch
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Montag - Samstag • 9:05
11.2.2005
Im Gespräch mit Bernhard Docke
Rechtsawalt des Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz
Moderation: Matthias Hanselmann

Um sich einem so schwierigen Fall wie der Verteidigung des Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz anzunehmen, hat Bernhard Docke die besten Voraussetzungen. Der Bremer Anwalt hatte sich schon während seines Studium in seiner Heimatstadt auf Lizenz- und Patenrecht spezialisiert und in diesem Rahmen völkerrechtliche Schulungen mitgemacht, Anfang der 80er Jahre ein knapp zwölfmonatiges Praktikum bei den United Nations absolviert und vor drei Jahren einer Todesstrafenverteidigung in den USA als Gutachter beigewohnt.1993 verteidigt Docke die Kioskverkäuferin des Bahnhofs Bad Kleinen, die behauptet, RAF-Terrorist Wolfgang Grams sei von Beamten vorsätzlich erschossen worden und deshalb des Meineids angeklagt werden soll. So ist Docke gewappnet, als er von Kurnazs Mutter die Verteidigung ihres ältesten Sohnes angetragen bekommt, der 2001 von amerikanischen Sicherheitskräften in Pakistan festgenommen wurde und in das Gefangenenlager Guantanamo Bay gebracht wurde. Es wird der absurdeste Fall seiner bisherigen Laufbahn: "Es gab keinen Zugang zu dem Mandanten. Es gab keine Akteneinsicht. Es wurden uns nicht die Vorwürfe mitgeteilt, die gegen ihn erhoben wurden und schließlich gab es keine Behörde, kein Amt, keinen Ort, an den wir Beschwerden oder anderweitige Rechtsmittel richten konnten. Wir waren in einem luftleeren, rechtlosen Raum". Am 28.Juni 2004 entscheidet der Supreme Court der USA dann aber doch, dass Guantanamo-Häfltinge ihre Gefangenschaft von US-Gerichten überprüfen lassen können.

Eine Herausforderung für den 49-jährigen Docke, der als aufmüpfiger Rekrut seinerzeit erfuhr, dass man mit Jura bedrängten Menschen helfen kann. Sein jetziger Partner Heinrich Hannover, Freund und Nachbar der Familie Docke, bewahrte ihn vor einer Klage der Bundeswehrkantine, zu deren Boykott er wegen überhöhter Preise aufgerufen hatte. Docke studierte selbst Jura und gründete 1983 mit zwei Kommilitonen eine Kanzlei, die sich auf die Verteidigung geprellter Kreditnehmer gegen Banken spezialisierte - "mit den Schwachen und Armen gegen die bösen reichen Banken - da kam schon so eine Art Robin Hood Gefühl auf."

Der zweifache Vater lebt gerne in Bremen, wo er die Mischung von Weltläufigkeit und Bodenständigkeit schätzt. Neben Radfahren, Laufen und Tennis ist sein großes Hobby Kochen, was seine Söhne, als sie noch kleiner waren, nach einem Besuch bei Freunden zu der fassungslosen Feststellung brachte:" Weißt Du was, Papa, bei den anderen kocht die Mutter!?"

Das Gespräch mit Bernhard Docke führt unser Moderator Matthias Hanselmann.
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