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23.2.2005
Im Gespräch mit Horst Herrmann
Kirchenkritiker, Professor für Soziologie

Vom Kaplan und Kirchenrechtsstudenten im Vatikan zum Kirchenkritiker mit Frau und Kindern - diesen Weg ist Horst Herrmann tatsächlich gegangen. 1940 in Österreich geboren und in Tuttlingen an der Donau aufgewachsen, stand für den Jungen früh fest: Ein Mann der Kirche will er werden. So geht Herrmann damals auf ein altsprachliches Gymnasium, das gekoppelt ist mit einem Priesterkonvikt.

Nach dem Abitur studiert er Katholische Theologie in Tübingen, spezialisiert sich auf das Kirchenrecht. Nach dem Abschluss absolviert er das Priesterseminar und arbeitet als Gefängniskaplan in Ravensburg, dann als Kaplan in einer Gemeinde in Stuttgart. Sein eigentliches Ziel aber ist die Uni, er will Theologie lehren, Priester ausbilden.

Bald nach seiner Promotion 1967 wird er so auf bischöfliche Weisung in den Vatikan geschickt, um dort an seiner Habilitation zu arbeiten. Mit Erfolg: 1970 schließlich, mit nur 30 Jahren, erhält Horst Herrmann den Ruf als Professor an die Theologische Fakultät der Uni Münster. Dann kommt der Bruch. Doch er kommt nicht plötzlich, entwickelt sich langsam.

Beginnt mit einem Buch, das Herrmann 1974 veröffentlicht. "Ein unmoralisches Verhältnis" heißt es, und Hermman kritisiert darin das seiner Meinung nach insbesondere finanziell zu eng verwobene Verhältnis von Staat und Kirche. Das Buch sorgt für viel Wirbel, Herrmann wird von vielen Seiten angegriffen.

1975 wird ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, Priester darf er nun nicht mehr ausbilden. An der staatlichen Uni Münster lehrt er weiter, zunächst noch als Theologe, dann, auf dem nun umgewidmeten Lehrstuhl, als Soziologe. An der Uni lernt Herrmann, für den das Zölibat, wie er sagt, nie ein Problem darstellte, schließlich auch seine zukünftige Frau kennen.

1981 kommt so der endgültige Bruch: Beide treten aus der Kirche aus und heiraten. Heute haben sie zwei erwachsene Söhne, leben noch immer in der Nähe von Münster und für Herrmann, der mittlerweile Dutzende von Büchern zu theologischen und soziologischen Themen veröffentlicht hat, wird im Sommer diesen Jahres wieder eine neue Zeit anbrechen: Dann wird der Professor seinen Abschied an der Uni Münster nehmen, mit 65 Jahren.

Über seinen Weg, sein heutiges Verhältnis zur katholischen Kirche und zum Glauben, und seinen Hang zur provokanten Themen erzählt Horst Herrmann im Gespräch mit Katrin Heise.
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