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11.1.2005
Misereor: Langfristige Entwicklungs- und Wiederaufbauhilfe erforderlich
Interview mit Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer Misereor

Übelebende der Flutkatastrophe in Banda Aceh nehmen Lebensmittelpakete entgegen, 7.1.2005 (Bild: AP)
Übelebende der Flutkatastrophe in Banda Aceh nehmen Lebensmittelpakete entgegen, 7.1.2005 (Bild: AP)
Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer, hat sich für eine langfristige Entwicklungs- und Wiederaufbauhilfe in den von der Flut betroffenen Krisenregionen in Südasien ausgesprochen.

Das neue entwicklungspolitische Bündnis von Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des Hommes und Deutsche Welthungerhilfe sei keine Reaktion auf die jüngste Katastrophe, sagte Sayer im DeutschlandRadio Berlin. Das Bündnis sei schon seit einem Jahr geplant gewesen und die Flutkatastrophe nur der Anlass, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Sayer betonte, dass es dem Bündnis darum gehe, fachliche Kompetenz für eine langfristige Hilfe zu stellen. Dafür habe man Partner vor Ort: "Wir fliegen nicht unsere Organisationsmitglieder dort ein, sondern wir arbeiten seit Jahren in der betroffenen Region." Dabei gehe es vor allem um Hilfe zur Selbsthilfe. Als Beispiel nannte Sayer die seit geraumer Zeit bestehende Zusammenarbeit mit Fischerkooperationen. Diesen würde nun geholfen, das Fischereigewerbe wiederaufzubauen. Sayer erklärte außerdem, der gemeinsame Einsatz für die Entwicklungshilfe sei das Bindeglied für das Bündnis aus kirchlichen und nicht-kirchlichen Organisationen.

Das gesammelte Geld sei vor allem für den langfristigen Wiederaufbau geplant, fließe aber auch in die sofortige Hilfe vor Ort. Allein Misereor habe dafür 600.000 Euro bereitgestellt.

Der Misereor-Hauptgeschäftsführer mahnte, es gehe nicht nur um akute Katastrophenhilfe. Das müsse auch der Regierung deutlich gemacht werden. Sayer sagte wörtlich: "Wir müssen uns in der Bundesrepublik einsetzen, dass mehr Mittel für Entwicklungshilfe bereitgestellt werden, dass Krisen vorgearbeitet wird, dass wir präventive Maßnahmen bereits jetzt einleiten." Er verwies auf die "stillen Katastrophen", die überall stattfänden. Im Focus müssten langfristig auch Armutsbekämpfung und gerechtere Handelsbedingungen stehen.
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