Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
11.1.2005
Ferrero-Waldner für sorgfältig kontrollierte Entwicklungshilfe
Interview mit Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin

Benita Ferrero-Waldner (Bild: AP)
Benita Ferrero-Waldner (Bild: AP)
Die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen und Nachbarschaftspolitik, Benita Ferrero-Waldner, hat sich für eine schnelle aber sorgfältig kontrollierte Entwicklungshilfe in den von der Flut zerstörten Regionen Südasiens ausgesprochen.

Insgesamt würden die Kommission und die europäischen Mitgliedsländer 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, sagte Ferrero-Waldner im DeutschlandRadio Berlin vor Beginn einer zweiten Geberkonferenz in Genf. Von der genannten Milliardensumme kämen 450 Millionen Euro aus der EU-Kommission, 350 Millionen davon entfielen wiederum auf ihr Ressort.

Ferrero-Waldner verwies ausdrücklich darauf, dass das Geld für Südasien nicht an anderer Stelle eingespart werde. Es gebe genaue Budgets für die einzelnen, hilfsbedürftigen Staaten: "Wir werden diesmal zum Beispiel nur aus dem Asien-Budget heraus agieren, die anderen Budgets wie Afrika, Lateinamerika werden hier natürlich nicht angetastet."

Die Empfängerländer sollten selbst ihre Bedürfnisse anmelden, sagte Ferrero-Waldner weiter. Es liege bei ihnen, ob sie den Tourismus, den Handel oder etwa die Fischerei besonders fördern wollten. Die EU-Außenkommissarin betonte, dass man trotz einer schnellen Hilfe auf Kontrolle setze. Die EU-Kommission arbeite in den betroffenen Gebieten schon seit längerem mit vertrauenswürdigen Partnern zusammen. Auf diese Weise wolle man Missbrauch von Geldern vermeiden.

Ferrero-Waldner plädierte noch einmal für die Schaffung von gemeinsamen humanitären EU-Krisenreaktionskräften. In der Zukunft seien weitere große Katastrophen durch den Klimawandel zu befürchten. Darauf müsse sich die EU-Kommission entsprechend vorbereiten, so Ferrero-Waldner: "Deshalb denke ich, dass innerhalb der Kommission eine Stelle da sein muss, die solche Einsätze von zivilen Krisenkräften koordiniert, vorbereitet und entsprechend mobilisiert." Die einzelnen Staaten sollten dazu Experten anmelden, die dann nicht nur bei Naturkatastrophen sondern auch bei zivilen Krisen und Postkonflikten zum Einsatz kommen könnten.

-> Interview
-> weitere Beiträge