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12.1.2005
Forderung nach Schuldenerlass
Interview mit Dirk Messner, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Übelebende der Flutkatastrophe in Banda Aceh nehmen Lebensmittelpakete entgegen, 7.1.2005 (Bild: AP)
Übelebende der Flutkatastrophe in Banda Aceh nehmen Lebensmittelpakete entgegen, 7.1.2005 (Bild: AP)
Vor dem Treffen des so genannten Pariser Clubs über Hilfen für die Gebiete der Flutkatastrophe in Südasien, hat der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Dirk Messner, für ein Schuldenmoratorium plädiert.

Alle betroffenen Länder bräuchten "eine Atempause", sagte Messner im DeutschlandRadio Berlin. Man müsse allerdings unterscheiden zwischen Ländern wie Indien und Thailand, die ökonomisch auf einem "ganz guten Pfad" seien und auch darauf beständen, dass sie die Folgen der Katastrophe selbst finanzierten.

Beide Regierungen legten sehr großen Wert darauf, dass sie selbst in der Lage seien, die Probleme selbst zu bewältigen. Bei einem Schuldenerlass befürchteten sie, "dass das von den internationalen Anlegern als ökonomische Schwäche interpretiert werden könnte", erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik weiter.

Dagegen seien Länder wie Indonesien, Sri Lanka oder Somalia tatsächlich darauf angewiesen, dass ihnen auch Schulden entlassen würden. "Eine kurze Atempause reich hier nicht aus, weil die ökonomische Situation der Länder prekär ist." Messner betonte, wenn hier nicht ernsthaft entlastet werde, dann müsse man fürchten, dass "nach der menschlichen Katastrophe die ökonomische Katastrophe gleich hinterher kommt."

Allerdings forderte er, dass ein Schuldenerlass an bestimmte Bedingungen geknüpft werden müsse. "Die Regierungen müssen die Bereitschaft zeigen und die Fähigkeit nachweisen, einen Plan zu entwickeln, die Region tatsächlich auch wieder aufzubauen." Damit die Mittel, die durch den Schuldenerlass frei kämen, auch in den Wiederaufbau fließen würden. Darüber hinaus müssten die Prinzipien des Pariser Clubs eingehalten werden. Damit die Mittel nicht über Korruption "wo ganz anders landen". Vor allem betonte Messner, dass alle betroffenen Länder Krisenländer seien mit "akuten Bürgerkriegssituationen". Da müsse man auch aufpassen, dass die frei werdenden Mittel nicht in die Hände von Warlords gerieten. Auch dürften die Regierungen nicht einseitige Hilfestellung geben, um bestimmte Regionen zu diskriminieren. "Das ist eine politisch sehr sensible Angelegenheit", sagte Messner.
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