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13.1.2005
Mehr Rechtsfrieden durch Urteil zu Vaterschaftstests
Interview mit Margret Diwell, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes

Säugling (Bild: AP)
Säugling (Bild: AP)
Die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, Margret Diwell, erhofft sich von dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zu heimlichen Vaterschaftstests einen größeren Rechtsfrieden in Deutschland. Der BGH hatte am Mittwoch entschieden, dass solche Tests nicht als Beweismittel zulässig sind.

Auch ohne heimliche Tests hätten Väter bei einem begründeten Verdacht die Möglichkeit, ihre Vaterschaft anzufechten, betonte die Juristin am Donnerstag im DeutschlandRadio Berlin.

Diwell unterstrich, dass Väter viel Zeit hätten, um sich über ihre Vaterschaft Gedanken zu machen. Zu Unfrieden komme es nicht durch das BGH-Urteil, sondern wenn Väter erst in einer Beziehungskrise auf diesen Gedanken verfallen würden: "Gewissheit mit Frieden oder Ungewissheit ohne Frieden, ich finde nicht, dass das die Alternative ist."

Eine Lockerung der Regeln für reguläre Vaterschaftstests schloss die Juristin nicht aus. Sie bezweifelte aber, dass eine Lockerung dem gesellschaftlichen Frieden diene, wenn praktisch jedem Vater eine Überprüfung seiner Vaterschaft gerichtlich erlaubt werde.

Diwell räumte ein, dass jetzt ein stärkerer Vaterschaftstesttourismus auftreten könne: "Und gegen diese Dinge wird man sich vielleicht auch gar nicht wehren können." Sie betonte aber, dass die Ergebnisse vor deutschen Gerichten trotzdem als Beweise nicht zulässig seien: "Er bleibt rechtlich gesehen der Vater des Kindes, auch wenn er sich mit welchen Methoden auch immer hat bestätigen lassen, dass er es nicht ist."

Zur Diskussion um eine Strafandrohung für heimliche Tests betonte Diwell, dass es hierbei nicht allein um Väter gehe: "Jeder kann doch von seinem ungeliebten Nachbarn oder von der Schwiegertochter in spe Genmaterial einschicken und dann erfahren, dass die Schwiegertochter in spe vielleicht mit Erbkrankheiten behaftet ist."
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