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17.1.2005
Weizsäcker für zusätzlichen Bau von Stromleitungen für den Transport von Windenergie
Interview mit Ernst-Ulrich von Weizsäcker (SPD)

Ernst-Ulrich von Weizsäcker (SPD), Vorsitzender im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages (Bild: AP)
Ernst-Ulrich von Weizsäcker (SPD), Vorsitzender im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages (Bild: AP)
Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Ernst-Ulrich von Weizsäcker, SPD, hat sich für einen Ausbau des Stromnetzes für den Transport von Windenergie ausgesprochen.

Der Bau von zusätzlichen Höchstspannungsleitungen sei durchaus bezahlbar, sagte von Weizsäcker am Montag im DeutschlandRadio Berlin mit Blick auf eine Studie der Deutschen Energie-Agentur zur Windenergie, die Anfang dieser Woche in Berlin vorgestellt wird.

Wörtlich sagte von Weizsäcker: "Nach der Studie, die gegenwärtig vorliegt, müssten 850 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen gelegt werden. Diese zusätzlichen zwei Prozent zu den bereits existierenden 36 000 Kilometern sind ein überwindliches und ohne weiteres finanzierbares Projekt."

Für den Verbraucher biete die Windenergie eine Kosten-Entlastung. Dies gelte auch für die Förderung. "Eigentlich hat man nicht mit größeren Kosten zu rechnen", beteuerte der SPD-Politiker. Die Sorge auf der Abnehmerseite sei unbegründet. Der Preis von Windenergie bewege sich im internationalen Rahmen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir Alarmstimmung machen müssen", sagte von Weizsäcker mit Blick auf die skandinavischen Länder, die mit einem hohen Verbrauch von erneuerbaren Energien leben.

Der SPD-Politiker kritisierte die "manchmal mühsame" Genehmigung von Windrädern. Dies verhindere eine schnellere Aufstellung von Hochseewindkraftanlagen, die mehr Energie produzierten. "Vielleicht sind wir manchmal noch ein bisschen vorsichtig beim Vogelschutz oder an anderen Stellen", sagte er. In Zukunft werde aber auch Deutschland solche Anlagen besitzen. "Bis zu dem Zeitpunkt, wo wir die 20 Prozent haben, werden wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch Seewind haben."

Von Weizsäcker zeigte Verständnis für die Diskussion um die Aufstellung von Windkraftanlagen. "Es ist zweifellos richtig, dass man nicht sinnlos die ganze Landschaft mit Windrädern voll pflastert. Allein aus ästhetischen Gründen. Das muss man durchaus ernst nehmen." Insgesamt sei dies aber das "geringere Übel", sagte er mit Blick auf die Terrorismus-Anfälligkeit von Atomkraftwerken und den Treibhauseffekt.

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