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17.1.2005
A380 ist ein "echtes europäisches Gemeinschaftswerk"
Interview mit Gunnar Uldall (CDU), Wirtschaftssenator in Hamburg
Moderation: Hanns Ostermann

Das jüngste und größte Mitglied der Airbus-Familie ist der A380, hier in einer Computer-Animation (Bild: Airbus Industries)
Das jüngste und größte Mitglied der Airbus-Familie ist der A380, hier in einer Computer-Animation (Bild: Airbus Industries)
Ostermann: Was bedeutet dieser High-Tech-Jet für die europäische Luftfahrt?

Uldall: Der A380 bedeutet, dass die europäische zivile Luftfahrtindustrie mindestens gleichzieht, wenn nicht sogar an der US-Luftfahrtindustrie vorbeizieht und das ist deswegen erfreulich, weil wir bei der Luftfahrtindustrie ja eine Zukunftsindustrie haben und die Branchen, in denen Europa international wettbewerbsfähig ist, diese Anzahl der Branchen geht zurück und deswegen muss man sich besonders freuen, dass wir hier wirklich in einem Zukunftsfeld eine führende Position weltweit einnehmen.

Ostermann: Nun möchte ich nicht Wasser in den Wein gießen, trotzdem die Frage noch nicht entschieden ist ja der Streit um Beihilfen für die Flugzeugindustrie zwischen der Europäischen Union und den USA. Glauben Sie denn da mittelfristig an eine Einigung oder wird es ein Fall für die Welthandelsorganisation, die WTO?

Uldall: Nein, ich bin optimistisch, dass man dort zu einer Einigung kommen kann, aber das ist ein Verfahren, in das wir als Deutsche nur nebenbei eingeschaltet sind, deswegen sollte man dazu jetzt von hieraus keine Stellung nehmen.

Ostermann: In Hamburg wird bereits der hintere Rumpf des Airbus gebaut, Probleme gab es aber als Standort für die Auslieferung, die Startbahn muss verlängert werden gegen den Willen einiger Bürger. Wann rechen Sie denn jetzt damit?

Uldall: Ich gehe davon aus, dass wir im Jahr 2007 die Startbahnverlängerung in der gewünschten Form an Airbus übergeben können. Das bedeutet dann, dass wir hier in Hamburg auch die Frachtversion ausliefern können, die braucht eine etwas längere Start- und Landebahn und wenn wir das haben, haben wir nicht nur für diese zusätzliche Version die Voraussetzung für die Auslieferung geschaffen, sondern wir stellen vor allen Dingen ja auch sicher, dass weitere Mitglieder der A380-Familie, die sich im Laufe der nächsten Jahre entwickeln wird, hier bei uns in Hamburg gebaut werden kann und insofern werden wir dadurch, dass wir eben die Start- und Landebahn verlängern, hier unsere Chancen weiter ausbauen können und die Voraussetzung für viele weitere Arbeitsplätzen in Norddeutschland schaffen.

Ostermann: Sind jetzt also alle juristischen Klippen umschifft oder noch nicht?

Uldall: Nein, umschifft ist noch nicht alles, was denkbar ist, aber ich gehe mal davon aus, dass wir im Planfeststellungsverfahren so gut aufgestellt sind, dass wir alle Einwendungen, die noch kommen mögen von irgendwelchen Anliegern, dass wir diese umschiffen können.

Ostermann: Insgesamt arbeiten 16 verschiedene Werke an diesem Megaflugzeug, es ist also eine logistische Meisterleistung. Wie viele Arbeitsplätze hängen in Hamburg eigentlich derzeit und zukünftig von diesem Projekt ab?

Uldall: Wenn ich das nur auf den A380 beziehe, sind es in Hamburg etwa 4000 Arbeitsplätze, sowohl bei Airbus selber, aber auch bei einer Vielzahl von mittelständischen Zulieferbetrieben. Wenn wir das auf Norddeutschland und Airbus insgesamt erstrecken, nicht nur auf das Modell A380, sind es alleine in Hamburg 10.000 und viele weitere tausend in anderen Standorten. Und wenn wir jetzt noch mal davon ausgehen, dass wir über die Verlängerung der Start- und Landebahn jetzt noch weitere Modelle hier in Hamburg bauen können, dann rechne ich und rechnen Fachleute damit, dass noch mal 2000 oder vielleicht sogar 4000 Arbeitsplätze zusätzlich im Laufe der kommenden Jahre entstehen können. Das ist also ein gewaltiger Schub für unseren Arbeitsmarkt und deswegen muss man schon wirklich sich große Mühe geben, dass diese Chancen auch alle realisiert werden.

Ostermann: Und damit würde auch Platz drei in der Welt in diesem Sektor verteidigt. Trotzdem: die Entwicklungskosten seien höher ausgefallen als geplant, war immer wieder zu hören. Sehen Sie da eine Gefahr für die Rentabilität des Programms?

Uldall: Nein, das ist natürlich eine Frage, die Sie an die Betriebswirte von Airbus stellen müssen. Diese höheren Entwicklungskosten berühren den Standort Deutschland oder gar Hamburg nicht, aber wenn Sie sich einmal ansehen, welchen gewaltigen Verkaufserfolg dieses Flugzeug hat, dann glaube ich, dass die zusätzlichen Entwicklungskosten sich einspielen werden. An der Rentabilität dieses Flugzeugs ist meines Erachtens nicht zu zweifeln.

Ostermann: Nun schaut die Weltöffentlichkeit morgen nach Toulouse, nicht nach Hamburg. Nehmen Sie trotzdem an der Veranstaltung voller Freude teil oder hätten sie ganz gerne diese Veranstaltung in Hamburg gehabt?

Uldall: Natürlich hätte ich sie sehr gerne hier in Hamburg gehabt, aber wir werden in Hamburg hier natürlich auch diese Sache feiern und es werden morgen der Bürgermeister und ich als Wirtschaftssenator auch nach Toulouse fliegen, um zu zeigen, dass dieses eben nicht nur ein Flugzeug aus Frankreich ist, sondern auch aus Deutschland und ganz Europa. Hier haben wir ein echtes europäisches Gemeinschaftswerk vollbracht und damit die Stellung Europas als Wirtschaftskraft weltweit gestärkt.
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