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18.1.2005
Plassnik weist Kritik am Krisenmanagement in Südasien zurück
Interview mit Ursula Plassnik, österreichische Außenministerin

Ein US-Marine-Soldat am Satelliten-Telefon in der indonesischen Provinz Aceh (Bild: AP)
Ein US-Marine-Soldat am Satelliten-Telefon in der indonesischen Provinz Aceh (Bild: AP)
Die österreichische Bundesministerin für Auswärtige Angelegenheiten, Ursula Plassnik, hat Vorwürfe zurückgewiesen, nach der Flutkatastrophe in Südasien zu spät reagiert zu haben.

Auf eine Katastrophe solchen Ausmaßes könne niemand hinreichend vorbereitet sein, sagte Plassnik im DeutschlandRadio Berlin. Sie verwies darauf, dass alle Staaten Probleme mit einem schlechten Informationsfluss gehabt hätten. Ziel der österreichischen Regierung sei es zunächst vorrangig gewesen, Staatsbürger zu suchen, zu finden und nach Hause zu fliegen.

Plassnik lobte in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit Deutschland. Die Außenministerin sagte wörtlich: "Von Anfang an hat sich die europäische Solidarität in der Krisenregion bewährt." So habe man bei der Heimreise österreichischer Staatsbürger so weit wie möglich immer auch Deutsche mitgenommen. Umgekehrt sei dies genauso gewesen. Aus der Sicht beider Länder habe sich die Nachbarschaft in der Krise bewährt.

Die Österreichische Außenministerin plädierte noch einmal für die Schaffung eines Eurokorps für humanitäre Hilfseinsätze. Alle europäischen Länder hätten sich nach der Flutkatastrophe in derselben Situation befunden. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass es durchaus sinnvoll sei, rechtzeitig gerüstet zu sein im Hinblick auf technische Logistik und Infrastruktur. Plassnik erklärte: "Das kann man sicher in Zukunft im Interesse der europäischen Bürger besser organisieren, man kann sich besser vernetzen, man kann die Kräfte bündeln." Damit könne man auch im Hinblick auf die Präsenz der Europäischen Union einiges erreichen.

Plassnik verwies darüber hinaus darauf, angesichts möglicher EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, der Umbrüche in der Ukraine und den Vorgängen im Kaukasus die Balkanpolitik nicht aus dem Auge zu verlieren. Das Thema solle ein Schwerpunkt der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft 2006 sein. Auch Deutschland teile dieses Interesse mit der österreichischen Regierung. Sie selbst habe das Thema Balkanpolitik auch im Rahmen der regionalen Partnerschaft mit Vertretern Polens, Ungarns, Tschechiens, Sloweniens und der Slowakei besprochen.

Angesichts der laufenden Tagung der EU-Finanzminister zur Aufweichung des Stabilitätspakts erklärte Plassnik, Österreich bleibe bei seiner harten Haltung. Plassnik sagte wörtlich: "Europa, die Europäische Union braucht einen Stabilitätspakt, der glaubwürdig ist und der auch eingehalten wird." Sie räumte aber ein, dass im Verfahren selbst Flexibilitäten "vorstellbar" seien.

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