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20.1.2005
Eisele warnt vor Aufgabe der Wehrpflicht
Interview mit Manfred Eisele, Generalmajor a. D.

Bundeswehrsoldaten (Bild: AP)
Bundeswehrsoldaten (Bild: AP)
Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes über die Rechtmäßigkeit der Einberufungspraxis hat Manfred Eisele, Generalmajor a. D. und Mitglied der Kommission "Gemeinsame Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr", davor gewarnt, die Wehrpflicht in Deutschland aufzugeben.

Es sei schwierig, dann noch ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, sagte Eisele am Donnerstag im DeutschlandRadio Berlin. Wehrpflichtige seien notwendig, damit die Bundeswehr ihre Aufgaben erfüllen könne. Nahezu alle Nachbarn, die ihre Wehrpflicht aufgegeben hätten, wie Niederländer, Italiener, Franzosen, Belgier und Spanier hätten festgestellt, dass sie bei weitem nicht genügend qualifizierte Männer finden. Diese Länder würden am liebsten die Wehrpflicht wieder einführen, sagte Eisele.

Wehrpflichtige seien auch notwendig, um Auslandseinsätze abzusichern. Denn während Freiwillige ins Ausland gingen, müssten Wehrpflichtige deren Aufgaben im Inland übernehmen. Auch müsse die Bundeswehr zum Katastrophenschutz im Inneren beitragen. So hätten bei den Hochwassern von Oder und Elbe tausende Wehrpflichtige geholfen.

Zur Einberufungspraxis sagte Eisele, Wehrpflicht sei nicht mit der Schulpflicht gleichzusetzen. Nicht jeder müsse eingezogen werden und die Bundeswehr müsse sich auch nicht nach der Bevölkerungszahl, sondern nach ihrem Bedarf richten. Es seien in Zeiten geburtenstarker Jahrgänge auch schon weniger junge Männer eingezogen worden, als möglich gewesen sei, zum Beispiel in den fünfziger Jahren.
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