Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
22.1.2005
Scheininnovationen der Pharmaindustrie nicht honorieren
Interview mit Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes

Apothekerin sortiert Medikamente (Bild: AP)
Apothekerin sortiert Medikamente (Bild: AP)
Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Hans Jürgen Ahrens, hat Bundeskanzler Schröder davor gewarnt, den Forderungen der Pharmabranche nachzugeben.

Es gefährde die Stabilität der Beitragssätze, wenn die seit Anfang 2005 geltenden Festpreise für so genannte Scheininnovationen nicht mehr gelten sollten, sagte Ahrens im DeutschlandRadio Berlin. Die Pharmabranche argumentiere, dass sie andernfalls in Deutschland keine Forschung mehr betreiben könne. Das aber sei Unsinn. Deutschland sei für die Pharmabranche ein paradiesischer Standort. Die Krankenkassen würden die von der Pharmaindustrie geforderten Preise für wirklich innovative Medikamente immer zahlen. Ahrens weiter: "Was man hier will, ist etwas anderes: Man will auch für den Bereich, wo es keinen medizinischen Fortschritt gibt, in gleicher Art und Weise auch Preise festsetzen. Und das halten wir für falsch. Man hat durchaus Verständnis, wenn der Standort Deutschland gefördert wird - dort wo es um Innovationen geht. Aber wenn man darauf Wert legt, dass es weiterhin stabile Beiträge gibt, darf man keine Schritte gehen, die das gefährdet."

Mit Blick auf den am Montag stattfindenden Pharma-Gipfel zwischen Bundeskanzler Schröder und Vertretern der Pharmabranche betonte Ahrens, dass die Kosteneffizienz im Interesse der gesetzlichen Krankenversicherung gewahrt bleiben müsse. Die Arzneimittel seien bereits in diesem Jahr ein Risikofaktor für die Kostenentwicklung. Ahrens erklärte, der Streit zwischen Pharmabranche und gesetzlichen Krankenkassen schade nicht den Patienten. Sie würden nach wie vor das erhalten, was sie brauchen. Die Zuzahlungen für Medikamente, die nur bis zu einem bestimmten Grenzwert von den Kassen erstattet werden, könnten von Patienten vermieden werden. Ahrens wörtlich: "Wir haben jetzt eine Situation, wo versucht wird, dem Patienten zu suggerieren, nur dieses Arzneimittel sei für ihn geeignet. Und er müsse dazu zahlen, weil es seiner Gesundheit zuträglich ist. Aber da haben wir uns mit den Ärzten verständigt, dass wir die Patienten auch beraten wollen, dass es auch andere, vergleichsweise qualitativ gute Medikamente gibt, die die gleichen Wirksamkeiten haben und wo er nicht dazu zahlen muss."
-> Interview
-> weitere Beiträge