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24.1.2005
Woike: Privatsektor spielt wichtige Rolle beim Wiederaufbau nach Flutkatastrophe
Interview mit Peter Woike, Weltbank

Ein US-Marine-Soldat am Satelliten-Telefon in der indonesischen Provinz Aceh (Bild: AP)
Ein US-Marine-Soldat am Satelliten-Telefon in der indonesischen Provinz Aceh (Bild: AP)
Nach Einschätzung von Peter Woike, Vorstandsmitglied der Weltbank, spielt der Privatsektor eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der durch das Seebeben in Südasien betroffenen Länder. Schon jetzt beliefen sich die Privat-Investitionen in Entwicklungsländern auf das vierfache der offiziellen Hilfen, sagte Woike. Deshalb sei der Privatsektor "enorm wichtig", betonte er.

Wörtlich sagte Woike: "Der Privatsektor wird natürlich auch Aufgaben übernehmen beim Aufbau, Baufirmen werden beauftragt werden, die Hotels werden wieder aufgebaut, das wird alles durch den Privatsektor gemacht."

Die Rolle der Weltbank bestehe darin, eine Bestandsaufnahme der Zerstörung zu machen und zu schätzen, wie viel Geld für den Wiederaufbau der Infrastruktur nötig sei, betonte Woike. Dazu würden jetzt Teams in die Krisenregionen ausgesandt. "Die Weltbank ist kein typisches Hilfswerk, wir leisten nicht erste Hilfe wie die UN oder das Rote Kreuz", sagte er.

Die Weltbank helfe ihren Kunden aus Sri Lanka, Indonesien und Thailand beispielsweise mit einer Kreditverlängerung oder Sonderkrediten, betonte Woike. Viele dieser Kunden kämen aus dem Tourismus-Bereich und müssten jetzt ihre Unternehmen wieder aufbauen. Hierzu sei ein Sonderprogramm aufgelegt worden. "Wenn ein Kunde beispielsweise 500.000 Dollar für eine eigene Tätigkeit beim Wiederaufbau zahlen will, dann geben wir auch 500.000 Dollar dazu", sagte Woike.

Für die Hilfeleistungen rechne er in Sri Lanka und in Teilen von Indonesien mit Schwierigkeiten. So sei die Weltbank noch nie in Aceh tätig gewesen, da dies bisher ein militärisch nicht zugängliches Gebiet gewesen sei. Bei Indonesien sei die Hauptsache, "dass man überhaupt Zugang zu diesen Gebieten hat", betonte das Weltbank-Vorstandsmitglied. "Wir hoffen, dass die Regierung uns diesen Zugang gibt, sonst können wir dort nicht arbeiten."
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