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28.1.2005
Rau: Wichtig ist langfristiges Engagement
Interview mit Christina Rau
Moderation: Marie Sagenschneider

Nach der Katastrophe auf der beliebten Urlaubsinsel  Phuket in Thailand (Bild: AP)
Nach der Katastrophe auf der beliebten Urlaubsinsel Phuket in Thailand (Bild: AP)
Sagenschneider: Die Flutkatastrophe in Südostasien hat eine beeindruckende Spendenbereitschaft ausgelöst, die nicht nur hierzulande rekordverdächtig ist. Allein in Deutschland wurden 400 Millionen Euro auf die Konten der Hilfsorganisationen überwiesen. Inzwischen hat das Internationale Rote Kreuz sogar seine Spendenaufrufe eingestellt. Wenn man dort sagt, "Es reicht jetzt erst mal, wir haben genug Geld, um unsere Hilfe für das Wiederaufbauprogramm für die nächsten zehn Jahre planen zu können" - was natürlich nicht daran hindern sollte, weiter zu spenden, nur sollten vielleicht jetzt auch wieder andere Krisenregionen in den Blick rücken. Für Südostasien ist, wie gesagt, das Engagement groß, das betrifft auch die direkte Hilfe, wie die Partnerschaften von Ländern, Städten und Kommunen, die die Bundesregierung angestoßen hatte. Die Frage ist nur: Wie koordiniert man all dies? Darüber wollen wir nun mit Christina Rau sprechen, der Gattin des früheren Bundespräsidenten, denn sie wurde gestern von Bundeskanzler Schröder vorgestellt als seine Sonderbeauftragte für die Koordinierung der so genannten Partnerschaften. Frau Rau, wie koordiniert man das denn? Wie würde Ihre Aufgabe aussehen?

Rau: Die wird im Prinzip aussehen, dass ich Informationen von den verschiedenen Stäben bekomme, dass ich gucke, wo kann man die Hilfsbereitschaft, die jetzt überall vor Ort entsteht, wirklich in langfristiges Engagement überleiten lassen? Dafür braucht man die Informationen in den Ländern: Wo ist der Bedarf? Wo können jetzt konkrete Partnerschaften abgeschlossen werden? Und ich werde natürlich auch immer ermahnen müssen, dass das einen langen Atem braucht und dass Wiederaufbauhilfe halt nicht von heute auf morgen geschehen kann.

Sagenschneider: Kann man sich da an den Beispielen orientieren, die ja schon angelaufen sind? Denn es gibt ja Partnerschaften, die schon auf den Weg gebracht worden sind?

Rau: Richtig, es gibt das Angebot von Schulen, Partnerschaften zu übernehmen, Krankenhäuser aufzubauen. Jetzt muss man andere noch identifizieren. Wo ist die Not groß? Und man muss vor allem auch darauf achten, dass nicht nachher alles Engagement in einer bestimmten Region stattfindet und wir Elend und Armut woanders völlig aus den Augen verlieren.

Sagenschneider: Können Sie das jetzt schon feststellen, konzentriert sich da der Wunsch nach Partnerschaften auf bestimmte Regionen, oder ist es doch relativ weit gestreut abgedeckt?

Rau: Also die Städte, die sowieso schon Kontakt hatten, die Vereine, die dort unten jetzt wieder aufbauen müssen, die sind natürlich ganz fest gebunden, aber bei vielen Angeboten ist es eben so, "Wir möchten Helfen, wir möchten eine Partnerschaft", und die sind dann auf Vermittlung angewiesen. Und da hat ja das Bundesministerium für Entwicklung eine Stelle eingerichtet, wo alle Anrufe angenommen werden, alle Angebote. Und da wird man gucken, dass man die richtigen Projekte dafür findet.

Sagenschneider: Wie hat man sich denn eigentlich eine solche Partnerschaft konkret vorzustellen? Finanziert dann zum Beispiel eine Kommune eine Schule, sagen wir, in Thailand oder schickt man da auch Experten hin? Wie ist das?

Rau: Wichtig ist, dass diese Partnerschaften sich selber tragen müssen, also das bedeute, wenn eine Schule sagt, wir übernehmen die Partnerschaften, dass sie dann durch Aktion, ob das nun von den Kindern, die selber eine Stunde arbeiten und dieses Geld spenden, oder Basare veranstalten, dass dieses Geld dann in den Aufbau fließt, einen Lehreraustausch und einen Schüleraustausch wird es bestimmt dann nachher auch geben.

Sagenschneider: Wer hat denn da bisher angefragt? Haben Sie da schon einen Überblick?

Rau: Viele, viele, viele. Es waren im Ganzen, glaube ich, inzwischen 630 verschiedene Anfragen, aber eben von den unterschiedlichsten, eben von Vereinen, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, von den Wirtschaftverbänden. Also die Palette ist breit.

Sagenschneider: Das ist ein außergewöhnlich großes Interesse!

Rau: Das ist ein erfreulich großes Interesse und ich sehe es eben mit als meine Aufgabe, diese spontane Hilfsbereitschaft eben langfristig zu binden und daraus dann eben wirklich Gutes wachsen zu lassen.

Sagenschneider: Sie haben vorhin gesagt, man müsste auch gucken, dass man das ein bisschen verteilt, dass es eben möglicherweise dann auch an Regionen geht, die jetzt gar nicht so im Blick sind. Gibt es da denn auch Anfragen aus den Ländern, die betroffen sind von der Flutkatastrophe?

Rau: An den Botschaften und den Generalkonsulaten werden jetzt so Servicestellen eingerichtet, die Kontakt mit den dortigen Nichtregierungsorganisationen, aber eben auch natürlich mit der Regierung, halten, um von da an, von dort jetzt zu sammeln. Im Moment ist es tatsächlich so, dass wir ganz konkret 50 Wünsche und Partnerschaftswünsche haben und eben eigentlich noch viel mehr vermitteln können und das muss jetzt erst sondiert werden. Vielleicht kann man sich auch zusammentun und gemeinsam etwas fördern. Das wir bearbeitet.

Sagenschneider: Und woher kommen diese Partnerschaftswünsche?

Rau: Die Partnerschaftswünsche kommen vor allem eben von Krankenhäusern, Waisenhäuser, Schulen, das war eigentlich jetzt so der Schwerpunkt.

Sagenschneider: Nun ist es ja möglicherweise schwierig in den Ländern, die gar nicht so gerne Hilfe von außen wollen. Das haben wir immer weder gehört, dass man da auch sehr stolz ist, oder spielt das möglicherweise bei den Partnerschaften, weil das eine so konkrete Hilfe ist und praktisch sich ja auch in einem sehr kleinen Rahmen abspielt, vielleicht doch keine so große Rolle?

Rau: Diese Partnerschaft wird sich konzentrieren auf Indonesien und Sir Lanka, wo eben das Interesse groß ist, was nicht bedeute, dass einzelne Projekte und Partnerschaften nicht auch woanders abgeschlossen werden, aber in diesen Ländern wird es besonders gewünscht und deshalb hat der intermisterielle Ausschuss auch gesagt, dass wird unser Schwerpunkt sein.

Sagenschneider: Sie haben schon gesagt, das wird eine sehr langfristige Aktion. Womit rechnen Sie denn, wie lange wird diese Aufgabe Sie in Anspruch nehmen?

Rau: Ich denke mal, es wird gleitend sein. Der Bundeskanzler hat gesagt, wir rechnen mit einer Zeit von drei bis fünf Jahren.

Sagenschneider: Und Sie glauben, das wird ausreichen?

Rau: Ich hoffe jedenfalls, dass diese Partnerschaften dann so stabil sind und so transparent, dass es dann nicht unbedingt der Begleitung der eines Sonderbeauftragten des Bundeskanzlers bedarf.
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