Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
3.2.2005
Studentenwerk warnt vor "amerikanischen Verhältnissen"
Interview mit Hans-Dieter Rinkens, Präsident des Deutschen Studentenwerkes

Studenten protestieren auf einer Kundgebung am 26. Januar 2005 gegen mögliche Studiengebühren in Heidelberg (Bild: AP)
Studenten protestieren auf einer Kundgebung am 26. Januar 2005 gegen mögliche Studiengebühren in Heidelberg (Bild: AP)
Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes, Hans-Dieter Rinkens, hat mit Blick auf die Einführung von Studiengebühren vor amerikanischen Verhältnissen gewarnt.

Die derzeit diskutierte Summe von 500 Euro pro Semester sei letztlich ein Einstiegspreis, sagte Rinkens im DeutschlandRadio Berlin. Bald schon würden die einzelnen Bundesländer erklären, dass das nicht reichen werde, sondern beispielsweise auf 2000 Euro erhöht werden müsse. Das Bundesverfassungsgericht habe bei seiner Urteilsverkündung betont, dass Studiengebühren sozialverträglich erhoben und die Chancengleichheit gewährt werden müsse. Sie sei jedoch gefährdet - nicht so sehr bei Bafög-Empfängern, sondern bei Kindern aus dem unteren Mittelstand. Rinkens wörtlich: "Ein sehr kritischer Bereich sind die Familien, die gerade eben aus dem Bafög-Bereich herausfallen. Das erleben wir im Moment, dass in dem Bereich sich die Kinder abschrecken lassen und nicht zum Studium gehen. Da muss man unter Umständen noch einmal nachprüfen. Dafür kann man in den Bereichen, wo es möglich ist, durchaus höhere Studiengebühren als 500 Euro nehmen."

Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes steht Studienkrediten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) skeptisch gegenüber. Kredit bleibe Kredit und bedeute zusätzliche Schulden. Das sei gerade in einer Phase, in der die Menschen in den Beruf gehen und eine Familie gründen wollten, schädlich. Rinkens weiter: "Wir erleben in der Diskussion der anderen Banken, dass jetzt der Streit beginnt, wer an den Studierenden, deren Eltern sich die Unterstützung nicht leisten können, verdienen darf. Selbst Institute wie das Zentrum für Hochschulentwicklung, dass jahrelang missionarisch gepredigt hat, dass Hochschulen Studiengebühren einführen müssen, jetzt, wo der Markt kommt und seine Gesetze entfaltet, auch sagt: Vorsicht, wir müssen aufpassen, dass das sozialverträglich ist."

Das Deutsche Studentenwerk sei gern bereit, bei der Definition von Sozialverträglichkeit mitzuhelfen. Dabei könnten auch die Erkenntnisse aus den alle drei Jahre erhobenen Sozialerhebungen unter Studenten nützlich sein.

-> Interview
-> weitere Beiträge