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4.2.2005
Scholz fordert Änderung der DFB-Statuten
Interview mit Rupert Scholz, Vorsitzender des Hertha-Aufsichtsrates

Rupert Scholz (Bild: Deutscher Bundestag)
Rupert Scholz (Bild: Deutscher Bundestag)
Birgit Kolkmann: ...nötig und einmal misslang der Wettbetrug. Das weiß der Deutsche Fußball-Bund jetzt sicher nach Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft, in Zukunft ohne Manipulation, der Wettskandal zieht immer weitere Kreise. Auch das staatliche Wettmonopol kommt auf den Prüfstand und das Bundesverfassungsgericht kündigt einen Grundsatzurteil zum Glückspielmarkt an. Immerhin werden da im Jahr schätzungsweise mindestens eine Milliarde Euro umgesetzt. Wie sollte die Bundesregierung da reagieren? Zum Interview im DeutschlandRadio Berlin begrüße ich Professor Rupert Scholz, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Hertha BSC und Sprecher des Institutes für Politik und öffentliches Recht. Herr Professor Scholz, hat das staatliche Monopol noch Zukunft?

Rupert Scholz: Menschen wetten gerne, das heißt, es wird mit Sicherheit immer Einrichtungen für Spiel und Wette geben. Auf der anderen Seite, die Überlegung, das staatliche Wettmonopol zu verteidigen, hat die Gefahr oder hat den Nachteil, dass dies wahrscheinlich mit europäischem Gemeinschaftsrecht nicht vereinbar ist. Das muss man sehr klar sehen. Die Philosophie eines Wettmonopols ist natürlich die, dass man damit die unendlich vielen, fast unüberschaubaren Möglichkeiten - und gerade die jetzigen Vorfälle belegen das ja wieder - dass private Wetteinrichtungen oder Wettveranstalter eben mit dichten Verbindungen auch bis in die Kriminalität hinein plötzlich auf diesem Markt tätig werden. Das sollte man verhindern und das muss man auch künftig verhindern.

Kolkmann: Ist das Problem in Deutschland, dass es eben doch einen gewissen grauen Markt gibt? Dass das Wettmonopol gar kein richtiges Monopol ist?

Scholz: Ja, natürlich liegt hier ein ganz entscheidender Teil des Problems auf der anderen Seite, das muss man auch sehen, dass in anderen Ländern die Situation ganz ähnlich ist. Eine wirkliche Lösung des Problems über eine staatliche Monopoleinrichtung wird nie gelingen. Man kann allenfalls bestimmten Ausuferungen von Gefährdungen von Gefahr und Tatbeständen, von Kriminalität vielleicht hier und dort begegnen, aber letztendlich wird man gerade, was die jetzigen Vorfälle angeht, man wird bei den Aktiven, im weitesten Sinne des Wortes anzusetzen haben und nicht bei der Organisation des Marktes von Wette und Spiel. Es geht ja letztlich über den Fußball hinaus. Wenn Sie allein an den großen Bereich etwa des Pferdesports denken. Es gibt keine Zone, in der nicht Sport in irgendeiner Weise mit Wetten und Spiel verbunden ist.

Kolkmann: Könnten wir uns England da in gewisser Weise als Vorbild nehmen? Da gehört ja Wetten zum Alltag und gewettet wird wirklich auf alles, ein Buchmacher, das ist ein durchaus ehrenwerter Job, könnten wir da von den Praktikern lernen?

Scholz: Die Engländer haben gerade beim Pferdesport gute Erfahrungen, da gibt es keine Zweifel. Trotzdem gibt es in England immer wieder Wettskandale. Das nimmt der Engländer manchmal etwas gelassener als wir so etwas zu nehmen pflegen, aber es ist keineswegs so, dass das eine Branche und ein Feld ist, in dem nur weiße Westen auftreten. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein.

Kolkmann: Vor allem gewettet und auch gezockt wird ja auch im Internet, zum großen Teil anonym. Das kann man ändern. Die UEFA zum Beispiel will das in Zusammenarbeit mit englischen Anbietern auch ändern, man will es personalisieren zum Beispiel über die Kreditkartennummern. Wäre das ein Ansatz, für den wir neue Gesetze bräuchten?

Scholz: Das würde im Ergebnis bedeuten, dass man die eine oder andere, in der Tat gesetzliche Regelung erlassen muss, wie man ja überhaupt das Feld des Internets in vielfältiger Weise rechtlich noch nicht bewältigt hat. Denken Sie nur an den Bereich des Jungendschutzes etwa, der im Internet nahezu täglich verletzt wird. Hier muss man in der Tat mit Möglichkeiten rangehen, die aber gerade, wenn es um die Einsätze von Geld geht, um Wetten, da kann man über Kreditkarten und entsprechende Registrierungen - und da darf man auch nicht zu zimperlich sein, so möchte ich es mal ausdrücken, was bei uns immer sehr schnell auf die Tagesordnung kommt mit dem Stichwort Datenschutz. Es gibt höherwertige Rechtsgüter und hier ist ein höherwertiges Rechtsgut im Spiel.

Kolkmann: Ein Frühwarnsystem soll ja nun auch her und außerdem etwas, das gleich verhindern soll, dass alle, die irgendwie an Spielen beteiligt sind, also im Fußball tätig sind, um mal beim Thema zu bleiben, einfach ausschließt, kann man das machen? Wettverbot?

Scholz: Mit Sicherheit sind drakonische Strafen nötig. Nur dann wird man die nötige Abschreckung auch erreichen. Das gilt für Spieler, das gilt für Schiedsrichter und das gilt mit Sicherheit auch für jeden Unternehmer, der solche Wettbüros unterhält und dabei dann Manipulationen stattfinden. Das ist alles kriminell, das ist alles strafbar und die Konsequenzen müssen zum einen Kriminalstrafen sein, aber das muss sich auch verbinden dann mit entsprechenden Berufsverboten.

Kolkmann: Wie werden Sie das bei Hertha BSC handhaben? Einfach mal ein Wettverbot aussprechen?

Scholz: Wir haben im Grunde dies schon sehr deutlich gemacht und auch Verpflichtungen, etwa der Spieler - und für die Schiedsrichter gilt natürlich das Gleiche, wobei den Schiedsrichtern Folgendes zu sagen ist: Nach dem geltenden Recht des DFB müssen Schiedsrichter Mitglieder von Fußballvereinen sein und so haben wir bei Hertha BSC über 30 Schiedsrichter, die sich auch bei uns wohl fühlen, wie ich immer wieder höre, aber ob das letztendlich die richtige Organisationsform für unser Schiedsrichterwesen ist, das möchte ich etwas anzweifeln. Hier könnte mir es doch sinnvoller erscheinen, etwa das, was man in Italien macht, dass die Schiedsrichter insgesamt in einer eigenen vereinsrechtlichen Organisation, dann natürlich innerhalb des deutschen Fußballbundes zusammengefasst werden, als nicht angeschlossen sind, nicht Mitglieder sind von Vereinen. Es zeigt sich schon an folgenden Problemen: Der Herr Holzer ist natürlich jemand - er ist Mitglied von Hertha BSC - er hat sich mit dem, was er hier verbrochen hat, massiv nicht nur fußballschädigend allgemein, sondern natürlich auch vereinsschädigend gegenüber seinem Verein, dem er angehört, Hertha BSC, verhalten. Das kann man nur beantworten mit einem Vereinsausschluss. Wenn wir ihn jetzt aber ausschließen aus dem Verein, ist er plötzlich nicht mehr fassbar über die Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußballbundes. Aus diesem Grunde wird man diesen Vereinsausschluss, der mit Sicherheit kommen wird, der wird erst nach Abschluss der sportgerichtlichen Verfahren vorgenommen werden können. Dies zeigt im Grunde schon, dass auch hier etwas änderungsbedürftig ist.

Kolkmann: Noch kurz zum Schluss: Dem DFB wird ja Versagen vorgeworfen. Ist der Fußballstandort Deutschland ein Jahr vor der WM beschädigt?

Scholz: Natürlich hat der Fußballstandort Deutschland Schaden genommen, aber ich glaube nicht, dass das Auswirkungen hat, in irgendeiner Form auf die Weltmeisterschaft 2006 und deren Akzeptanz öffentlich. Der deutsche Fußball ist, glücklicherweise kann man sagen, im Vergleich, gerade im internationalen Vergleich von Skandalen in den letzten Jahrzehnten jedenfalls, nicht so belastet worden wie viele, viele andere Länder. Aber umso deutlicher muss man machen und umso klarer muss durchgegriffen werden, nachdem jetzt sich ja doch hier ein Skandal von erheblichem Ausmaß abzeichnet.

Kolkmann: Vielen Dank, Herr Rupert Scholz, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Hertha BSC und Sprecher des Instituts für Politik und Öffentliches Recht zum Wettskandal.

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