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7.2.2005
Spielergewerkschaft: Spieler der 1. Bundesliga nicht an Wettskandal beteiligt
Interview mit Florian Gothe, Präsident der Spielergewerkschaft VDV

Der umstrittene Schiedsrichter Robert Hoyzer während des DFB-Pokalspiels zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV am 21. August 2004 in Paderborn (Bild: AP)
Der umstrittene Schiedsrichter Robert Hoyzer während des DFB-Pokalspiels zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV am 21. August 2004 in Paderborn (Bild: AP)
Der Präsident der Spielergewerkschaft VDV, Florian Gothe, schließt aus, dass der Fußball-Wettbetrugsskandal sich auch auf Spieler der ersten Bundesliga erstreckt.

Das könne er sich nicht vorstellen, sagte Gothe im DeutschlandRadio Berlin. Man müsse unterscheiden zwischen der Situation eines Schiedsrichters und der eines Spielers. Ein Spieler könne verlässlich ein Spiel nur zu Ungunsten seines Vereins manipulieren, damit wäre er bei Mannschaft und Fans aber "völlig unten durch", wenn dies herauskäme. Außerdem setze er Geld und seinen Stammplatz in der Mannschaft aufs Spiel.

Ob ein Schiedsrichter manipuliert, hat nach den Worten Gothes nichts mit der Vergütung zu tun. Von daher sei es unerheblich, ob Schiedsrichter als Profis beschäftigt würden oder nicht. Gothe sagte wörtlich: "Das ist eine Frage der Mentalität, ob man für so etwas empfänglich ist oder nicht und hat mit der Vergütung aus meiner Sicht nur sekundär zu tun."

Gothe sprach sich für ein Wettverbot für Schiedsrichter aus. Durch Lizenzverträge sollten klare Regelungen geschaffen werden. Darin müssten auch Sanktionen bei Verstößen gegen ein Wettverbot formuliert sein. Für Spieler bezeichnete der VDV-Präsident ein solches Verbot als nicht unbedingt nötig. Die Gewerkschaft habe aber kein Problem damit, wenn dies gewünscht werde.

Er wies aber ausdrücklich daraufhin, dass seines Wissens kein Spieler bisher in dem Wettbetrugsskandal ein Spiel manipuliert habe wie von Schiedsrichterseite bisher bekannt: "Mir sind keine Fakten bekannt, die bisher belegen, dass Spieler wirklich an diesem Skandal in einer Weise beteiligt sind, die verwerflich ist." Von daher halte er die Forderung nach drastischen Strafen für medienwirksam aber nicht unbedingt angemessen.

Im Fall der versuchten Bestechung des ehemaligen Energie Cottbus-Torwarts Koch warf Gothe dem Deutschen Fußballbund vor, sich nicht ausreichend um seinen Spieler gekümmert zu haben. Grundsätzlich wollte Gothe den DFB aber nicht für seine Aufklärungsarbeit kritisieren. Es sei nicht seine Aufgabe, vor der Tür des DFB zu kehren, so Gothe.
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