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7.2.2005
Zeichen für Neuanfang in den deutsch-amerikanischen Beziehungen
Interview mit Gernot Erler, SPD-Außenexperte

Gernot Erler, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag (Bild: SPD-Bundestagsfraktion)
Gernot Erler, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag (Bild: SPD-Bundestagsfraktion)
Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot Erler, hat den Besuch der neuen US-Außenministerin Rice als ein Signal für das wiedererwachte amerikanische Interesse an Europa und insbesondere an Deutschland gewertet.

Es bestehe offenbar der Plan der US-Regierung, die Kontakte zu Europa in der zweiten Amtszeit von US-Präsident George W. Bush zu intensivieren, sagte Erler im DeutschlandRadio Berlin. Die USA bräuchten Unterstützung im Irak und in Afghanistan.

So sei auch der Besuch des US-Präsidenten Bush in zwei Wochen zu sehen. Zum einen sei dies die Anerkennung des bisherigen europäischen Beitrags, zum anderen wolle Bush um weitere Hilfe gerade auch beim zivilen Aufbau im Irak werben. Dazu sagte Erler wörtlich: "Er möchte da Zusagen bekommen, dass hier in der Ausbildung von Fachleuten, in dem Aufbau von zivilen Strukturen, Verwaltungs- und Regierungsstrukturen und vielleicht auch bei der Ausformulierung der Verfassung im Irak stärker geholfen wird."

Der SPD-Politiker machte deutlich, dass Bush mit solchen Zusagen rechnen könne. Deutschland werde jede Unterstützung anbieten, sofern es sich nicht um militärische Unterstützung handle.

Dem Ruf nach einer stärkeren Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan, wie durch den Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses Kujat formuliert, erteilte Erler eine klare Absage. Deutschland sei dort in einem Umfang engagiert wie kein Land sonst, mal abgesehen von den Vereinigten Staaten: "Wenn irgendjemand aus der Nato - auch wenn er deutschen Ursprungs ist - sich zu einem stärkeren Engagement der Nato in Afghanistan äußert, dann kann er nicht die Bundesrepublik meinen. Da sind jetzt eindeutig andere dran."

Den Vorschlag Kujats eines Bundeswehreinsatzes im Nahen Osten zur Sicherung eines Friedensabkommens bezeichnete Erler als "nicht vernünftig, sich hier anzubieten oder gar aufzudrängen". Es gebe im Moment die historische Chance auf einen Frieden, der nur auf diplomatischem Weg zu erreichen sei. Hier sei nun der Bundeskanzler gefragt, bei seinem Treffen mit dem US-Präsidenten Bush dafür zu werben, dass Amerika in die diplomatischen Verhandlungen einsteige.
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