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8.2.2005
Bischof fordert mehr Wertschätzung menschlicher Arbeit
Interview mit Anton Losinger, Weihbischof von Augsburg

Arbeiterin am Fließband (Bild: AP)
Arbeiterin am Fließband (Bild: AP)
Der Weihbischof von Augsburg, Anton Losinger, hat eine neue Wertschätzung der menschlichen Arbeitskraft als volkswirtschaftliche Größe gefordert. Losinger ist auch Mitglied der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Arbeit sei mehr als ein betriebswirtschaftlicher Faktor, sagte Losinger im DeutschlandRadio Berlin. Er reagierte damit auf die Debatte über angekündigte Stellenstreichungen in Großunternehmen bei gleichzeitigen Milliardengewinnen wie zum Beispiel bei der Deutschen Bank.

Losinger räumte ein, dass die Unternehmen nach rein betriebswirtschaftlicher Logik so handeln müssten, um ihre Stellungen auf einem globalen Weltmarkt zu behaupten. Arbeit sei aber ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor. Losinger sagte wörtlich: "Man muss sehen, dass ein Arbeitnehmer auch ein Kunde ist und dass Arbeit in dieser breiten Sicht der Dinge, auch wenn sie unterbewertet wird, dazu führt, dass ein Unternehmen, das einen Arbeitnehmer freisetzt, letztendlich auch keinen Kunden mehr hat, der sich ein Produkt leisten könnte, das ein Unternehmen herstellt." Hinzu komme, dass Arbeit einen wichtigen Einfluss auf das Wohlbefinden von Menschen habe.

Losinger rief die Unternehmen dazu auf, Verantwortung für den sozialen Zusammenhang zu übernehmen. Die Politik forderte er auf, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Losinger verwies auf die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland und ihre Idee der sozialen Marktwirtschaft. Darauf müsse sich die Politik besinnen.

Der Weihbischof zeigte sich optimistisch, dass es zu einem Ende der "Fehlentwicklung" kommen werde. Als eine solche Fehlentwicklung bezeichnete er zum Beispiel die Kluft zwischen Managergehältern und "dem, was ein normaler Mensch ist".

Die reine Deregulierung werde dazu führen, dass ein Unternehmen irgendwann nicht mehr existiere. Das müssten auch die Konzerne erkennen. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer könne nicht ewig fortgesetzt werden. Dafür sprächen zwei Gründe: Zum einen arbeiteten sich auch die Menschen in den benachteiligten Regionen dieser Welt auf unser Lohnniveau hinauf, zum anderen müssten Staaten wie die Bundesrepublik angesichts hoher Arbeitslosenzahlen Rahmenbedingungen schaffen, um den Faktor Arbeit in seiner Eigenständigkeit wieder mehr zu schätzen. Deutschland habe kaum Rohstoffe, von daher seien hoch qualifizierte Arbeiter das wichtigste Kapital. Losinger sagte dazu: "Von diesem Aspekt der Wertschätzung der Arbeit her kann man erneut gegen die Arbeitslosigkeit einen Denkansatz in die Welt setzen."
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