Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
9.2.2005
Henkel verteidigt Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Interview mit Hans-Olaf Henkel, Präsident der Leibnitz-Gesellschaft

Hans-Olaf Henkel (Bild: AP)
Hans-Olaf Henkel (Bild: AP)
Der frühere BDI-Chef und jetzige Präsident der Leibnitz-Gesellschaft, Hans-Olaf Henkel, hat die Kritik an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann über den geplanten Stellenabbau zurückgewiesen.

Die politische Moraldebatte, die dazu geführt werde, sei "verlogen und völlig unberechtigt", sagte Henkel im DeutschlandRadio Berlin. Hier versuche der Chef der Deutschen Bank dafür zu sorgen, dass diese Bank auch eine deutsche Bank bliebe. Schließlich sei es sehr leicht möglich, dass diese Bank wie auch andere deutsche Banken sehr schnell übernommen würden. "Und dann möchte ich mal sehen, was diese Personen, die heute über Herrn Ackermann herziehen, über ihn sagen würden, wenn er das ganze Unternehmen aus Deutschland vertreiben würde, weil er es versäumt hat, 1900 Arbeitsplätze sozial verträglich abzubauen."

Henkel verwies auf die Stellung der Deutschen Bank in der Wirtschaft. Als größte Privatbank des Landes sei sie völlig unterbewertet. Was Ackermanns Kritiker, wie der SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter, beachten müssten, sei der Fakt, dass ausländische Banken einen Kauf der Deutschen Bank quasi "aus der Portokasse begleichen" könnten. Im Sinne des Wirtschaftstrandortes Deutschland müsse dies verhindert werden, betonte der Wirtschaftsexperte. Deshalb sei es richtig, dass Ackermann und sein Team dafür sorgten, dass der Börsenwert des Unternehmens wieder steige, denn dieser sei "lächerlich niedrig".

Man müsse froh sein, dass es der Deutschen Bank wieder besser ginge. Außerdem sei er sich sicher, dass das Unternehmen versuchen werde, diesen Abbau ohne Kündigung zu bewerkstelligen. "Ich bin auch sicher, dass dies erfolgreich versucht wird", sagte Henkel. Er verwies auf drohende Insolvenzen und Stellenabbau bei Unternehmen wie Opel, KarstadtQuelle und Walter-Bau. "Ist das soziales Verhalten, wenn man so etwas passieren lässt?" "Wenn alle so erfolgreich arbeiten würden, wie Herr Ackermann, dann wäre Deutschland heute deutlich besser dran", so Henkel.

Dazu verteidigte er die Tendenz, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Schließlich sei der deutsche Kunde letztlich nicht bereit, die Mehrkosten eines in Deutschland gefertigten Produkts zu tragen. Henkel erneuerte seinen Appell an die Bundesregierung, die Arbeitsmarktpolitik zügiger zu reformieren; "Wir müssen aufhören mit der Beschimpfung der Erfolgreichen in der Wirtschaft und endlich beginnen die politischen Hausaufgaben zu machen."
-> Interview
-> weitere Beiträge