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10.2.2005
Weber wirft Politikern Ablenkungsmanöver vor
Interview mit Manfred Weber, Bundesverband Deutscher Banken

Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken (Bild: AP)
Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken (Bild: AP)
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken, Manfred Weber, hat Politikern vorgeworfen, mit ihrer Kritik an Stellenstreichungen der Deutschen Bank von eigenen Versäumnissen in der Reformpolitik ablenken zu wollen.

Die politische Reaktion erstaune ihn in "gehöriger Weise", sagte Weber am Donnerstag im DeutschlandRadio Berlin. Es sei bezeichnend, dass sich überwiegend Politiker zu Wort meldeten, die bisher "in der wirtschaftspolitischen Diskussion nicht als Experten aufgefallen sind", betonte er.

Wörtlich sagte Weber: "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es am Aschermittwoch der Politik wohlfeil war, den Banken etwas vorzuhalten, auch um von eigenen Versäumnissen abzulenken. Denn wenn etwas verantwortungslos ist, dann, dass wir in diesem Land nicht entschieden genug mit der Reformpolitik vorankommen und dass wir mit einer Fünf-Millionen-Arbeitslosigkeit leben müssen, die sich über drei Jahrzehnte aufgebaut hat."

Im europäischen und internationalen Wettbewerb lägen die deutschen Banken "weit, weit zurück", sagte Weber. Man müsse "noch erhebliches" leisten, um wieder Anschluss zu gewinnen. Dies sei wegen des Erhalts der Arbeitsplätze für die einzelne Bank wichtig. Es sei aber auch gesamtwirtschaftlich von Bedeutung, "denn ich halte die Banken für die Schlüsselbranche jeder modernen Volkswirtschaft", betonte er.

Niemand könne weitere Entlassungen ausschließen. "Ich glaube nicht, dass wir hier schon am Ende der Fahnenstange angekommen sind." Auf der Kosten- und Personalseite seien in den vergangenen vier Jahren "erhebliche Maßnahmen" ergriffen worden. Erst eine nachhaltige Ertragsstärke könne dazu führen, neue Arbeitsplätze aufzubauen.

Für das schlechte Abschneiden deutscher Banken im internationalen Vergleich gebe es drei Gründe, sagte Weber. Durch eigene Fehlentscheidungen sei es Instituten schwer gefallen, "sich in einem neuen Umfeld neu aufzustellen". Die gesamtwirtschaftliche Schwäche sei ein zweiter Grund. Nach der Wiedervereinigung sei die deutsche Volkswirtschaft um "magere 15 Prozent" gewachsen, andere europäische Länder um 30 Prozent. "Den Bankkunden in diesen Ländern geht es entschieden besser als den deutschen Bankkunden. Das schlägt sich bei den Instituten entsprechend nieder." Außerdem komme die Neuordnung des Bankensystems nicht voran, bedauerte Weber. Er appellierte an die Politik in Bund und Ländern, den Markt wirken zu lassen. "Der Staat hat im Prinzip im Bankgeschäft nichts verloren", sagte er.
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