Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
11.2.2005
DRK kritisiert Überversorgung der Krisenregion Banda Aceh
Interview mit Joachim Müller, DRK-Katastrophenmanager

Joachim Müller, DRK-Katastrophenmanager (Bild: Deutschlandradio)
Joachim Müller, DRK-Katastrophenmanager (Bild: Deutschlandradio)
Der Katastrophenmanager des Deutschen Roten Kreuzes, Joachim Müller, hat eine Überversorgung mit Hilfsgütern im Tsunami-Krisengebiet Banda Aceh kritisiert.

In dieser Region gebe es zu viele Hospitäler und Krankenhausbetten, sagte Müller am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. Die Überversorgung sei durch fehlende Erkundungen vor den Hilfsleistungen zurückzuführen.

Wörtlich sagte Müller: "Das war gut gemeint, aber aktionistisch. Man hat irgendetwas auf den Weg gebracht, um Gutes zu tun, während zu dieser Zeit in anderen Regionen ein noch höherer Bedarf war."

Dieses Missmanagement sei jedoch eingestellt worden. Trotzdem müsse die Koordination zwischen den handelnden Armeen, Regierungen und Hilfsorganisationen verbessert werden. Vor allem der UNO komme dabei eine "besondere Verantwortung" zu. "Auch in Deutschland sollte man sich abstimmen, bevor man bestimmte Sachen auf den Weg bringt", sagte Müller.

Müller bedankte sich für die 100,6 Millionen Euro Spendengelder, die das DRK zugunsten der Tsunami-Opfer erhalten hat. "Das ist eine Wahnsinns-Summe", sagte er. 17,8 Millionen davon seien für die Soforthilfe ausgegeben worden. So hätten jetzt 2,4 Millionen obdachlos gewordene Menschen wieder ein provisorisches Dach über dem Kopf, betonte der Katastrophenmanager. Außerdem sorge das Rote Kreuz dafür, dass diese Menschen Trinkwasser und Nahrungsmittel sowie eine medizinische Versorgung für die kommenden sechs Monate erhielten.

Das DRK habe auch die Katastrophen auf dem afrikanischen Kontinent, wie Malaria-Erkrankungen in Äthiopien, im Blick, betonte Müller. Unter den gegenwärtigen Bedingungen sei es aber nicht einfach, eine stabile Hilfe dort zu finanzieren. "Unser Appell ist immer wieder, die anderen Konflikt-Regionen nicht zu vergessen."

Das neu gegründete Bundesamt für Katastrophenschutz in Deutschland begrüße er, betonte Müller. Es könne zur besseren Koordination beitragen. "Ich wünschte mir, dass es gelänge, auch zwischen den 16 Bundesländern eine klarere Abstimmung, eine größere Kompatibilität von Ausbildungsprogrammen, Ausrüstung und Funknetzen zu erreichen. Damit könnten wir einen einheitlichen, flächendeckenden Standart des Katastrophenschutzes in Deutschland anbieten."
-> Interview
-> weitere Beiträge